In A Mortician's Tale ist der Tod etwas Alltägliches

Die Krematoriums-Simulation erzählt von den Momenten, in denen es nichts mehr zu sagen gibt.

Der Tod ist Teil von fast jedem Spiel, aber wirkliches Thema ist er fast nie. Oft geht es um Gewalt und ihre unmittelbaren Konsequenzen. Darin sind Spiele inzwischen auch gut geworden. Aber nur selten geht es um die Stille danach. A Mortician's Tale ist ein Spiel über diese Stille.

Mit ihren langen schwarzen Haaren und den tätowierten Armen wirkt Protagonistin Charlie ein wenig wie ein Goth. Und offenbar liegt ihr das Morbide nahe, denn sie arbeitet als Leichenpräparatorin. In einem kleinen, familiengeführten Krematorium beginnt sie eine neue Stelle und muss sich dort gleichermaßen um die Toten und ihre Hinterbliebenen kümmern.

Am Computer kann sie zur Ablenkung die Mails ihrer etwas geschwätzigen Freundin Jen lesen oder im Internet surfen. Aber danach geht es weiter zur Kundschaft. Alte und junge Menschen landen auf ihrem Tisch und müssen für die letzte Reise gewappnet werden. Das Präparieren der Leichen ist eine repetitive, mechanische Arbeit. Körper Waschen, Augen und Mund schließen, Leichenstarre wegmassieren, Blut abpumpen... alles geschieht in immer gleichen Bewegungsabläufen.

Aber Charlie bereitet nicht nur die Körper der Toten vor, sondern begleitet auch die Angehörigen. Im Empfangsraum trauern Eltern, weinen Geliebte oder langweilen sich Kinder. Per Klick kann man Fetzen ihrer Gespräche und Gedanken lauschen. Per Klick auf den Sarg verabschiedet sich Charlie und kann anschließend wieder in ihren Arbeitsraum zurückkehren um den nächsten Leichnam vorbereiten. Der Tod ist auch ein Geschäft.

Manchmal bekommt man Tage später eine Mail, in der sich Angehörige für den schönen Abschied bedanken. Aber Charlie bleibt das ganze Spiel über schweigsam und sagt nichts. Sie verschwindet fast zwischen der violetten Farbpalette, der hypnotischen Musik und den winzigen Einblicken in die Trauer anderer. Was gibt es auch zu sagen?