A Road That May Lead Nowhere ist ein Walking Simulator für Leute, die lieber Auto fahren

A Road That May Lead Nowhere ist ein Walking Simulator für Leute, die lieber Auto fahren

Ein Ziel gibt es nicht, nur die endlose, prozedural generierte Straße. A Road That May Lead Nowhere ist als Spiel also ebenso sinnlos wie das Autofahren.

Bei Straßen muss ich immer an David Lynch denken. Der asphaltierte Schnellweg ist ein wiederkehrendes Motiv im Werk des surrealen Kino-Auteurs. Twin Peaks, Mullholland Drive und natürlich vor allem Lost Hightway haben alle erinnerungswürdige Szenen, in denen die Kamera dicht über den Boden hinwegfliegt und der gestrichelte Mittelstreifen zu einer einzigen Linie verzerrt wird. Die Straße ist bei Lynch natürlich nie einfach nur eine Straße, sondern immer eine Metapher für etwas anderes. Oder mehr noch ein Symbol, ein Gefühl, eine Idee oder ein mentaler Zustand.

A Road That May Lead Nowhere ist ein Walking Simulator. Nur, dass er eben auf einer Straße spielt. Einer dazu noch scheinbar endlosen Straße, die vielleicht in das Nirgendwo hinführen könnte, wie es der Titel andeutet. Aufgelöst wird die Frage nicht. Ich jedenfalls habe das simple RennFahrspiel auch nicht lange genug gespielt, um an einem möglichen Ziel anzukommen. Bei mir ging es immer nur die Straße hinab.

Aber wie so oft ist hier natürlich der Weg das wahre Ziel. Die Landschaft ist mal flach und mal hügelig. Mal wird die Straße von einer steilen Felswand flankiert oder gibt den Blick auf sich in der Ferne erhebende Gebirge frei. Manchmal liegt Schnee, dann grünt das Gras. Oder es geht durch eine sandige, triste Wüste. Und irgendwann geht die Sonne unter und der Horizont färbt sich goldgelb und kann man die Wärme fast im Gesicht spüren, auch wenn der Bildschirm natürlich genauso kalt bleibt wie zuvor.

Kollisionsmodelle, Fahrphysik, Ziellinien, Bestzeigten oder überhaupt irgendwas, das andere Leute als für ein Spiel notwendig erwachten würden, gibt es übrigens nicht. Also könnt ihr ganz in Ruhe eure Gedanken schweifen lassen, während ihr mit den Pfeiltasten durch die Kurven lenkt. Erst die Straße herab und dann ganz woandershin.

Achja, Sound hat A Road That May Lead Nowhere übrigens auch keinen. Es ist also auch die perfekte Gelegenheit, um mal ein paar Podcasts nachzuholen (zum Beispiel unseren) oder mal wieder dieses Lieblingsalbum zu hören, von dem du dir sonst immer nur noch die Singles rauspickst. Irgendwie muss man die Zeit ja rumkriegen. Wann sind wir endlich da?