Aragami spielt mit Schatten und Klischees

Die Frage ist doch: Stören erfüllte Erwartungen, die an Klischees grenzen, mich oder nur meinen inneren Spielekritiker?

In manchen Spielen wächst einem der Held mit jedem Schritt, den man gemeinsam absolviert, mehr ans Herz. In anderen wiederum kann man ihn gar nicht ausstehen - da kann er noch so oft die Welt retten. Und dann gibt es da noch Spiele wie Aragami. Selbst wenn man einmal völlig außer Acht lässt, dass mir hier das Spielprinzip "Schleichen" zur Abwechslung wirklich Spaß bereitet hat (Kreuzchen im Kalender wurde gesetzt), hat die Rachegeschichte vor allem ein anderes, riesiges Plus im Angebot: den wohl liebenswürdigsten Rachegeist der Welt. Das Spiel ist mit seiner Einführung noch nicht einmal richtig warm gelaufen, da steht für mich bereits fest: den mag ich einfach. Mit Herzchen auf dem Aragami-i.

Dadurch kann ich ohne Probleme über die verwendeten Standardbausteinchen hinwegsehen. Natürlich gibt es eine kurvige Jungfrau in Nöten, einen Raben als magisches Tier, Flashbacks an vergangene Leben und einen durchschaubaren "Licht vs. Schatten"-Plot. Die Grafik entspricht genau dem, was ich erwarte, wenn jemand zu mir sagt: "Es spielt in Japan. Und soll gemalt aussehen. Shoot!"

Sind das jetzt Pros oder Kontras? Irgendwie wird ja immer erwartet, dass ein empfohlenes Spiel etwas ganz Neues ist. "So hat noch nie jemand die Sache dargestellt!" "Dieses Spiel wird das Gaming revolutionieren!"

Schön. Ich beschwere mich nicht, dass sich Spiele weiterentwickeln. Ganz im Gegenteil. Macht, was ihr wollt. Das ist das Schöne an den erfunden Welten, die uns die Spiele eröffnen. Aber lasst mich ab und an ganz irrational, ganz ohne tolle Gründe ein Spiel einfach gut finden, weil es mir Spaß macht. Lasst mich in Klischees abtauchen wie in den Badesee meiner Kindheit. Sieht im Posting nicht so toll aus wie der Infinity Pool im Urlaub, bringt aber auch ein gutes Bauchgefühl mit sich.

Entsprechend wusele ich gern mit Aragami durch Schatten, zähle die Minuten bis zur unausweichlichen, ach so überraschenden Wendung und grinse dabei dennoch ununterbrochen. Das geht so weit, dass ich selbst an meinem letzten Tag in Deutschland, die gepackten Koffer für das echte Asienabenteuer neben mir, erneut in die Schatten abtauche, um meinen kleinen Rachegeist seiner Bestimmung zuzuführen. Denn den mag ich wirklich. Und darum geht es hier.