Ashen setzt Gemeinschaft an erste und fordernde Kämpfe an zweite Stelle

In Soulsborne-Spielen gibt es selten Grund zur Freude. Das Action-RPG vermittelt selbige in den kleinen Momenten zwischen den großen Kloppereien.

Ein Zuhause muss nicht zwingend ein Ort sein. Es kann sich um ein Gefühl, eine Erinnerung, eine Person, ein Kulturprodukt handeln und muss deswegen keinesfalls weniger wert sein. Wenn es aber doch ein physischer Ort ist, wie müsste dieser dann aussehen? Ashen beantwortet diese Frage mit Leichtigkeit: Geborgen und behütet muss ich mich fühlen, zugehörig, verstanden.

Komisch, wurde das Spiel nicht als weiteres Soulslike beworben? Als nahezu identisch hinsichtlich des Spielflusses, abgesehen vielleicht von den Journey-esken Koop-Momenten, in denen ich nie weiß, ob ich mit einem menschlichen oder einem von der KI gesteuerten Mitstreiter durch die atemberaubend schönen, träumerischen Landschaften streife?

Aber die Low-Poly-Ästhetik, deren gesichtslose Charaktere und world building mich immer wieder an das beste Brawlenspiel aus 2017 erinnern, ist es eben nicht, was das Spiel so besonders macht. Ähnlich wie bei obigem Spiel geht es im minimalistischen Action-Rollenspiel um Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten.

Denn mit der plötzlichen Ankunft des Lichts in der Welt hat niemand mehr gerechnet, weder die mit Namen versehenen NPCs, die ich im Spielverlauf in meine wachsende Siedlung locke, noch die Charaktere, die auf meinen Reisen noch als Traveler bezeichnet werden und sich letztlich als Villager in meinem kleinen Dorf ansiedeln. Das Gefühl, nicht alleine gegen die Schrecken der Dunkelheit kämpfen zu müssen, ist also der Katalysator, der mich in Ashen immer weiter antreibt.

Klar ist das Gameplay auch kurzweilig und weniger schmerzhaft als in den großen Vorbildern hinsichtlich Kampfsystem und absichtlich uneindeutigem environmental storytelling. Aber Ashen schafft mehr. Beispielsweise eine immense Furcht vor der Einsamkeit im Dunkeln schüren - danke für nichts, Seat Of The Matriarch - und zeitgleich enorme Freude nur dadurch zu vermitteln, dass ein weiterer Traveler zum Villager wird und mit Hammer und Nägeln an einer gemeinsamen Zukunft baut, ohne dass ich ihn damit beauftragen musste.

Was 2019 in der Welt wohl nicht möglich sein, gelingt Ashen in seinen leisen Zwischentönen, für die es das ganze Gebalge eigentlich nicht gebraucht hätte. Faith in humanity restored - zumindest für die paar Stunden im Polygon-Traumland.