Au revoir 2018, au revoir Persona 5

Au revoir 2018, au revoir Persona 5

Ein Lost-Levels-Gastbeitrag von Nina (Illustratorin, Spieldesignerin, Podcasterin, Journalistin).

Ich erinnere mich noch genau an unsere erste Begegnung.

Lässig kamst Du auf mich zu – perfekt gestylt und mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, wohl wissend um den Ruf, der Dir vorauseilte. An Fans mangelte es Dir nie, in früheren Lebensphasen aber ebenso wenig an Menschen, die den Trubel um Dich nicht verstanden. Unnötig kompliziert seist Du bislang gewesen, hieß es dann, und dass Deine vielen Facetten es schwierig machten, Zugang zu Dir zu finden. Doch zuletzt hatte sich der Wind gedreht: Alle Welt schien Dich zu lieben, und auch ich verliebte mich auf den ersten Blick.

An kurzen Nummern hättest Du kein Interesse, sagtest Du ganz unvermittelt noch vor unserem ersten Date. Wer sich auf Dich einlassen wolle, müsse Zeit und Geduld mitbringen. Ich zögerte kurz, doch dann schaute ich Dich erneut an und all meine Zweifel waren wie verflogen. Diese Liaison würde ich nicht bereuen, da war ich mir sicher. Und tatsächlich: Jeder der vielen gemeinsamen Abende war zu kurz, stets sehnte ich mich nach mehr. Über viele Wochen hinweg teilten wir Frust und Freude in der Schule, flanierten durch die Straßen Tokyos, gingen unserer gemeinsamen Leidenschaft für Filme und gutes Essen nach. Nach kurzer Zeit konnte ich mir einen Alltag ohne Dich einfach nicht mehr vorstellen.

Und dann schmiedeten wir größere Pläne und begnügten uns mit nicht weniger als der Rettung der Gesellschaft vor niederträchtigen und korrupten Menschen – mit nicht weniger als der Rettung der Welt. So flanierten wir nicht mehr nur, sondern pirschten, schlichen, rannten. Wir erforschten faszinierende neue Orte miteinander und die vielen Entdeckungen, Herausforderungen und Adrenalinschübe schweißten uns noch mehr zusammen.

Doch irgendwann wird selbst der spannendste Alltag – nun, Alltag. Die uns so gigantisch erscheinende Welt war doch endlich und unser Handlungsspielraum begrenzt. Unser Tatendrang wich der Routine, unsere romantische einer Zweckbeziehung, fortgesetzt nur für den erfolgreichen Abschluss unserer Mission. Und ganz ehrlich? Ich hatte Dich satt. Deine unnötig in die länge gezogenen Geschichten, Deinen einseitigen Musikgeschmack, Deinen geradezu zwanghaften Hang zum Socialising, das ewige Drama... Und dass ich wegen Dir dazu gezwungen war, ständig Zeit mit Yusuke zu verbringen, machte die Sache nicht besser.

Du ahnst nun sicher, was ich Dir sagen möchte. Es war schön mit Dir, für eine Weile. Aber nach knappen 100 Stunden habe ich einfach keine Lust mehr, Dich zu sehen, so hübsch Du auch bist. Denn es tut mir leid, Dir das so direkt sagen zu müssen, aber: Hinter Deinem schicken Stil verbirgt sich zu wenig Substanz. Vielleicht sehen wir uns irgendwann mal wieder und vielleicht retten wir dann die Welt. Doch jetzt brauche ich erst einmal Abstand.

Es ist vorbei, Persona 5.