Back in 1995 ist ein Horrorspiel im Geiste der 90er-Jahre

Grobschlächtige Grafik und hakelige Steuerung erinnern daran, warum man den Toten zwar gedenken, sie aber dennoch ruhen lassen sollte.

1995, da war ich 8 Jahre alt und Videospiele nahmen noch keine wichtige Rolle in meinem Leben ein. 1995, das war ein Jahr nach dem Erscheinen des letzten Alone in the Dark und ein Jahr vor der Veröffentlichung des ersten Resident Evil. Der Horror hatte seine ersten Gehversuche in der dritten Dimension bereits hinter sich und begann langsam und mit sicherer werdendem Schritt auf Höhepunkte wie Silent Hill zuzumarschieren. Back in 1995 ist Takaaki Ichijos Versuch, die Atmosphäre dieser Zeit erneut einzufangen.

Der Held erwacht in einem verlassenen Hochhaus, umzingelt von bizarren Monstern und ist auf der Suche nach seiner Familie. Das Ziel ist ein Funkturm, der in weiter Ferne zu erkennen ist. Alles steht noch da, wo es Horrorspiele vor knapp 20 Jahren zurückgelassen haben. Starre Kameraperspektiven verbergen mehr als sie zeigen, die ungelenke Steuerung lässt in hektischen Momenten die Ohnmacht des Protagonisten spüren und gewalttätige Konfrontationen sind immer nur der Plan B.

Ichijos Spiel ist kein bloßes nostalgisches Imitat, sondern überzeichnet viele Aspekte sogar noch. Es hat die Landschaft seines Horrorspiels nicht von einem Foto abgezeichnet, sondern aus dem Gedächtnis gemalt. Texturen haben sich niemals so extrem gekrümmt, wie sie es Back in 1995 tun und doch stimmen die vielen Glitches mit der verfälschten Erinnerung an frühe 3D-Grafik überein. Auch der charmante VHS-Filter verringert die Bildqualität wohl um ein Vielfaches mehr, als es ein mieser Röhrenfernseher vermochte.

So wie Back in 1995 die schönen Erinnerungen glorifiziert, streicht es alles, was der Erinnerung im Wege steht. Der Schwierigkeitsgrad vergibt auch grobe Fehler und die oft ins surreale entgleitenden Monologe und Flavortexte, die besonders japanische Horrorspiele prägen, erzählen ihre Geschichte in nur wenigen Stunden Spielzeit. Back in 1995 ist die Geisterbahn auf einer Kirmes, die nach dem Vorbild einer echten Horrorvilla gebaut ist. Die Ungeheuer sind nicht echt, sondern aus Pappmaché. Es ist ein kurzer und ungefährlicher Besuch, der mich daran erinnert, wie es früher einmal war, ohne dass ich mich dafür wirklich in die Vergangenheit begeben müsste.