Bannerman macht Einsamkeit hörbar

Videospielhelden bewältigen als Auserwählte viele Herausforderungen im Alleingang. Der Pixel-Sidescroller stellt das nicht mit Pomp, sondern leisen Tönen dar.

Kennt noch jemand Blackthorne? Den von Blizzard kurz dem Warcraft-Durchbruch entwickelten Plattformer mit dem namensgebenden Muskelberg in der Hauptrolle und einer interessanten Deckungsmechanik, die es sowohl meinen Gegnern als auch mir ermöglicht, Projektilen und Angriffen durch Anlehnen an Wände auszuweichen? Bannerman – das ich durch einen famosen Artikel von Dom Schott entdeckt habe – ist so etwas wie die mittelalterliche, etwas realistischere Version davon.

Genau wie Kyle Blackthorne stemme ich mich darin mit Schwert und Bogen vor epochengetreuen Parallox-Scrolling-Hintergründen im Alleingang gegen unzählige Horden von Gegnern. Dank begrenzter Ausdauer- und Lebensleiste muss ich wie beispielsweise im Souls-Franchise meine Gegner studieren und Angriffe und Ausweichmanöver peinlichst genau timen. Letztere beide basieren übrigens auf rotoskopiertem motion capturing und sehen in Kombination mit der detailreichen Pixel Art hübsch und blutig zugleich aus.

Wirklich faszinierend an Bannerman ist allerdings sein Einsatz von musikalischer Untermalung. Kämpfe werden zwar mit entsprechend düsteren akustischen Klängen untermalt, aber einen Großteil meiner Reise durch die Dörfer, Wälder und Ruinen eines fiktiven mittelalterlichen Englands verbringe ich in Stille. Das bestärkt mich in dem Gefühl, mit meiner Aufgabe auf mich allein gestellt zu sein und Hindernisse aus eigener Kraft überwinden zu müssen.

Zugegeben, der 2D-Action-Sidescroller ist nicht das erste Spiel, das sich durch den differenzierten und pointierten Einsatz von Musik auszeichnet. Dank der trostlosen Atmosphäre und des düsteren Mittelalter-Settings trifft mich das Gefühl der Einsamkeit allerdings umso härter. Manchmal ist weniger mehr.