Bequemlichkeit hat meine Jahresrückblickliste gefressen

Bequemlichkeit hat meine Jahresrückblickliste gefressen

Mein Vorsatz für 2016, 2017, 2018: einen Jahresrückblickartikel schreiben. Mein Vorsatz für 2019: mehr als die gleichen fünf Spiele spielen.

Spiele sind für mich Abenteuer und sicherer Hafen zugleich. Wenn ich mich an meinen PC setze, möchte ich etwas anderes erleben und den Alltagsstress für ein, zwei (lies: fünf) Stunden ignorieren. Daher lande ich allerdings, wie bei Büchern, immer wieder bei meinen absoluten Favoriten. Es ist eine sichere Sache, dass ich mit denen Spaß haben werde. Und warum sollte ich meine wenigen Wochenenden, die frei genug sind, um zu spielen, mit einer potentiellen Enttäuschung verbringen? Die Antwort: Weil es natürlich unglaublich viele Spiele gibt, mit denen ich ebenso viel Spaß hätte, wenn ich ihnen denn eine Chance geben würde.

So jedoch komme ich nie auf Spiele für einen Jahresrückblick, die nicht mindestens aus dem Vorjahr, wenn nicht sogar aus den Vorjahren stammen. Verschärft wird das Problem noch, dass ich generell versuche, Spiele in Veröffentlichungschronologie zu spielen und somit eigentlich mal ein Jahr Urlaub bräuchte. Dieses Jahr jedoch wollte ich mich dennoch nicht einem kritischen Blick auf meine diesjährige Spielhistorie verweigern und musste feststellen: Ich bin einfach viel zu langsam.

2017 habe ich zum Beispiel endlich Mass Effect angefangen. Und dieses Jahr endlich Don‘t Starve gespielt. Beides würde auf eine Bestenliste gehören, aber halt weder 2017, noch 2018. Sagen zumindest die international anerkannten Jahresrückblickregeln. Aber wen interessieren die schon?

Beginnen wir daher gleich mit dem absoluten Standard auf meinem PC, egal welches Klischee es wohl erfüllen mag: Sims (2 > 4 > 1 > 3, don‘t @ me). Wenn niemand auf dich hören will, und die Welt zu brennen scheint, spiel Sims - und zünd' einen Pool an.

Diese grundlegende Lebensbewältigungsstrategie wird dicht gefolgt von Borderlands (auf der Playstation, denn Shooter auf dem PC wäre ja sinnvoll). Pandora ist wie ein Backpackingurlaub mit Granaten und komischen Reisebegleitern (also genau so wie ein Backpackingurlaub). Es gibt wenig, was mich so glücklich macht wie eine Siren mit SMG. Auch hier gilt: sowohl Teil 1 als auch Teil 2, aber da man die in Reihenfolge spielen sollte, ist Teil 2 eher etwas für Schaltjahre.

Assassin‘s Creed, GTA, und die mittlere Elder Scrolls-Trilogie sind die schönsten Walking-Simulatoren, die es gibt. Fragt bitte nicht nach der Hauptstory. Es gibt zu viele Gassen, in die ich nur mal kurz reinschauen müsste, als dass ich danach noch wüsste, wem ich irgendwelche Federn einsammeln sollte (triggered yet?).

Freizeitparksimulatoren, in denen mir Menschen Geld für meine halsbrecherischen Ideen geben, haben zwar Überschneidungen mit meinem Alltag, sind aber dennoch kurzweilig. Ob ich Löwen auf Zoobesucher und T-Rex auf Löwen loslasse oder die höchste Achterbahn der Welt baue - es ist das virtuelle Geld und meine reale Zeit wert.

Natürlich würde ich gern wissen, warum meine Freunde nach Mass Effect 3 eine Aggressionstherapie benötigten oder warum Half-Life noch immer Leuten Entzugserscheinungen auslöst, aber ich bin einfach noch nicht so weit. Ich hänge noch irgendwo in den Mid-Aughties fest. Nächstes Jahr jedoch, nächstes Jahr arbeite ich endlich meine enorme Liste mit Shame Games auf. Versprochen. Ich suche nur noch eine passende Selbsthilfegruppe. Dann kenne ich auch endlich die Spiele auf den aktuellsten Bestenlisten. Oder zumindest die auf den Listen vom letzten Jahr. Oder dem davor.