Boom Island hat alles, was man sich von Just Cause 3 wünschen könnte

Boom Island hat alles, was man sich von Just Cause 3 wünschen könnte

Immer wieder versucht der Explosionssimulator, von seinem wahren Ich abzulenken. Komplett ehrlich ist er nur in der Aufwärmrunde vor dem eigentlichen Spiel.

Die Vorzüge der Online-Abo-Zwänge der beiden großen Konsolenhersteller: Manchmal entdecke ich Spiele für mich, für die mir zum Release einfach die Zeit, die Motivation oder die Finanzen fehlten. Just Cause 3 von 2015, das im vergangenen Monat als Gratis-Spiel im PS-Plus-Abo enthalten war, ist ein perfektes Beispiel dafür. Die Prämisse eines riesigen Abenteuerspielplatzes und einem Hauptcharakter mit Explosionsfetisch ist nämlich verlockend, nutzt sich aber auch schnell ab. Es sei denn natürlich, man drückt und presst und quetscht so lange auf dem Spiel herum, bis aus der Kohle der Diamant Boom Island wird.

Kurios ist dabei, dass die menschenleere, aber dafür von zahllosen friedlich grasenden Ziegen bevölkerte Insel eigentlich nur als Puffer für die Konsolenversionen des Titels dient, bis die tatsächlich mit vermeintlichem Inhalt gefüllten Spieldateien ihren Weg auf die heimische Festplatte gefunden haben. Will sagen: Wenn Just Cause 3 komplett heruntergeladen und installiert ist, gibt es mir keinen besonderen Anreiz, Boom Island einen Besuch abzustatten. Zumal die Insel auch im Rahmen des Hauptspiels erreichbar ist. Entscheide ich mich allerdings dafür, die Downtime während des Downloads mit einem Besuch auf dem Eiland zu kompensieren, erwartet mich dort auf wenigen Quadratkilometern die pure Essenz des Games.

Denn anders als im Hauptspiel muss ich mich nicht mit einer halbseidenen Story oder der Suche nach neuen Waffen oder Fahrzeugen belasten. Boom Island segnet mich nicht nur mit unendlich Munition für meine Revolver und mein Sturmgewehr, sondern auch mit zwei Hochgeschwindigkeitsbuggys, mit denen ich über Schotterpisten und Felsenrampen brettern darf. Von letzteren darf ich mich auch mit Wingsuit und Gleitschirm stürzen, während ich meiner Leidenschaft für Feuer und Krach durch das Beharken der zahlreichen, sinnvoll überall auf der Insel und den dazugehörigen Ruinen drapierten explosiven Fässer nachgehen darf.

Kurzum: Ich bin Feuer und Flamme für Boom Island, weil es das pure Destillat dessen ist, was das Just-Cause-Franchise ausmacht: Kreative und uneingeschränkte Zerstörungswut, allerdings ohne das aufgepfropfte Rest-Gameplay, das den Spaß zwar nicht trübt, aber immer wieder vom Wesentlichen abzulenken versucht. In dieser Form lohnt sich Just Cause 3 sogar als spielerischer Mittagssnack. Denn viel gibt es naturgemäß nicht auf Boom Island zu sehen, aber das Zeitaufwand-Feuerspektakel-Verhältnis ist das Beste, das das gesamte Spiel zu bieten hat.