Desert Child bringt campy Retro-Chic und coole Weltallwestern an einen Tisch

Die Rennsequenzen des Hoverbike-Rasers rauschen oft einfach an mir vorbei. Dafür ist der bunte Ideenspielplatz seiner Hubwelt umso reizvoller.

Ramen schlürfen, mit zweilichtigen Typen abhängen, frischen Fisch futtern, Zeitung lesen, in Mikromanagementmanier an meinem Bike herumbasteln: in Desert Child von Oscar Brittain gibt es viel zu tun.

Und ja, den vermeintlichen Hauptbestandteil des Spiels, die Rennen gegen computergesteuerte oder menschliche Gegner und andere Hoverbike-Aktivitäten, habe ich in dieser Aufzählung absichtlich ausgelassen. Denn, so ehrlich muss ich sein, diese Passagen haben mich abgesehen von ihrem famosen Soundtrack am wenigsten abgeholt.

Umso stärker wirkt das ästhetisch wirklich außerordentlich C-O-O-L-E Spiel auf mich, wenn es sich auf seine kreativ ausgestaltete und überraschend weit verzweigte Basis für meine Rennvorhaben konzentriert.

Bis ich mir die Kohle für das Ticket zum Mars (Zukunftsprognose much?) zusammengespart habe, sieht der Hub, den ich nach jedem Rennen durchlaufen darf, noch relativ spartanisch aus. Sobald ich aber den roten Planeten betrete, breitet sich vor mir ein buntes Sammelsurium aus Retro-Hommage, Müllkunst, New Urbanism und - natürlich - Ramen-Shops aus.

Denn eine der Hauptinspirationen für den look & feel des Spiels ist Cowboy Bebop, der Sci-Fi-Space-Western, der bei seiner Veröffentlichung sowohl aus der Zeit gefallen wie auch seiner Zeit voraus wirkte. Diese Balance gelingt auch Desert Child, wenn ich beispielsweise die musikalische Begleitung meiner Rennen mit futuristischen Tracks erweitere, die ich ganz traditionell auf Vinyl im Plattenladen kaufe. Oder wenn ich mich mit Space-Bohnen dopen möchte, aber doch wieder eine ranzige Portion erwische und Gesundheit einbüße. Oder wenn ich die heißesten Ramen-Kreationen schlürfe, bevor ich an Robo-Statuen vorbei zum verschwitzten, komischerweise mit australischem Slang sprechenden Mechaniker flaniere. Oder oder oder oder.

Ich könnte auch Rennen fahren, Pizza liefern, Nutztiere hüten oder mit zweilichtigen Typen Rennergebnisse verfälschen, indem ich absichtlich verliere. Aber irgendwie ist es für mich erfüllender, durch die marsianische Metropole Olympia zu streunen und einfach mal die stylischen Kamerawinkel, die detailreiche pixel art oder die Musikauswahl im erwähnten Plattenladen zu genießen. Denn in diesen Momenten gelingt es Desert Child, viel und gleichzeitig auch nichts zu tun.