Diese sechs Künstler dürfen auf dem Cyberpunk-2077-Soundtrack nicht fehlen

Diese sechs Künstler dürfen auf dem Cyberpunk-2077-Soundtrack nicht fehlen

Refused? Punk PLEASE, die waren schon 2015 nicht mehr zukunftsweisend. Florian und Daniel stellen euch Künstler vor, die tatsächlich ins Jahr 2077 passen.

In den 40er Jahren war Rock'n'Roll futuristisch und undenkbar, in den 50ern der Psychedelic Rock, in den 60ern Punk, in den 70ern New Wave, in den 80ern Techno, in den 00ern Trap und Cloud Rap. Aber was ist eigentlich mit den 2070ern? So sehr populäre Kultur auch in Kreisläufen funktioniert, etwas wie der fußlahme Punk-Metal-Rock-Abklatsch, den die mal sehr sehr gut gewesene Band Refused zum Soundtrack des potenziell sehr sehr problematischen Rollenspiel Cyberpunk 2077 beiträgt, gehört eher nicht dazu. Florian und Daniel haben da so ein paar Ideen, was die Punx von morgen heute schon hören könnten.

The Mars Volta

Florian: Ja, At The Drive-In waren geiler. Ja, irgendwann nahm das mit den psychedelischen Drogen überhand. Aber gerade die erste Platte "De-Loused In The Comatorium" ist so spacig und zeitgleich rückwärtsverklärt, dass sie ideal zu einer Gesellschaft passt, in der Transhumanismus mit alten Idealen Walzer tanzt. Lateinamerikanische Rhythmen hier, Weltallprog da, Orgel hier, Punkriff dort, fertig ist das progressive Gesamtpaket. Ob es 2077 noch all die Ressourcen gibt, die für die Herstellung der zahlreichen Instrumente der eklektischen Band nötig wären?

The Knife

Daniel: "Shaking The Habitual" ist auch schon wieder sechs Jahre alt und ich habe das Album seit dem schon einige Male gehört. Trotzdem denke ich schon nach wenigen Takten des ersten Songs "A Tooth For An Eye", dass ich soetwas eigentlich noch nie gehört habe. The Knife ist anstrengende Musik mit Gesangslines, die mal quietschen, mal kreischen und mal flüstern. Sie ist überladen mit Percussions und Beats und Melodien, die man kaum als Ohrwurm bezeichnen kann. Und zwischen endlos dahinwabernden Klangsphären ist The Knife trotzdem auch immer wieder Popmusik. Popmusik von übermorgen.

Ash Koosha / Yona

Florian: KI wird immer wieder als die Zukunft der Technologie herangezogen, mit all ihren Unterkategorie-Buzzwords zwischen Machine Learning und neuronalem Netzwerk. Auch im Kunst- und Medienbereich gibt es schon jetzt KIs, die amtlich abrocken. Zum Beispiel Yona, die ihr menschlicher Kooperationspartner, Programmierer und Produzent Ash Koosha als "Auxuman" bezeichnet, also Auxiliary Human. Die elektronischen Kompositionen, die sich auf Yonas aktuellem Album "C" wiederfinden, tragen menschliche Handschrift in ihren Melodien. Sie sind aber andererseits auch extrem weird - und beantworten die Frage, wo Mensch und Maschine verschmelzen, nur mit mehr Fragezeichen.

Death Grips

Daniel: "Rap ist der neue Punk" hat in den letzten Jahren bestimmt mal jemand die Entwicklung der Gegenkultur für eine reißerische Headline heruntergebrochen. Vielleicht ist das auch so. Auf jeden Fall ist Hardcore-Punk im Jahr 2077 wohl weder Hardcore noch Punk. Musik, die auch heute schon irgendwie "gefährlich" klingt, und damit perfekt in eine gefährliche Zukunft passt, ist die der Death Grips. Wenn eines der glitchenden Videos von ganz leicht der Realität entrückten Songs wie "Beware", "Guillotine" oder "Get Got" über eines der Holodisplays von Night City flackert, während ich mit der Cybershotgun Hackergangs niedermähe, würde das auf jeden Fall nicht mit der Immersion brechen.

Ashley Oh

Florian: Black Mirror ist nicht mehr Indie, gar keine Frage. Aber das Gedankenexperiment (see what I did there?), das die Serie in der aktuellen Staffel rund um die Popsängerin Ashley Oh, gespielt von Miley Cyrus, aufmacht, ist trotzdem ziemlich zukunftsgewandt und erinnert ein bisschen an das herausragende SOMA. Was passiert mit einer menschlichen Persönlichkeit, wenn sie in Roboter verpflanzt wird? Wo bleibt die Menschlichkeit? Träumen Androiden von Popmusik? Und am wichtigsten: Wann gibt es endlich das Werkzeug, das Gedanken als Musikstücke aus dem Hirn zapft und aus krachigem Schlechte-Laune-Noise mit dem Hin- und Herschieben von Reglern seichten Gute-Laune-Pop macht? Ich würde gerne vorbestellen.

Merzbow

Daniel: Je weiter wir uns auf die Zukunft zu bewegen, desto öfter nörgeln irgendwo geistig alt gewordene Leute im Internet darüber, dass moderne Musik ja immer gleich klingt. Ob Boybands, Popstars oder Soundcloud-Rapper, irgendwo gibt's immer was zu meckern. Vielleicht ziehen die Menschen in der Zukunft die einzig folgerichtige Konsequenz aus dem Gejammer über Retrowahn, Akkordknappheit und Melodierecycling und überwinden die Konzepte der klassischen Populärmusik gleich ganz. Wenn die Welt sich im Dauerzustand der Dystopie erstmal eingerichtet hat, ist eine ordentliche Ladung elektronisches Dröhnen mit selbstgebauten Instrumenten vielleicht das einzige, was einen nach Feierabend noch auf andere Gedanken bringt. Und weil Cyberpunk eh dazu neigt, japanische Kultur zu fetischisieren, geht das am besten mit dem Japanoise von Merzbow.