Horror-Miniaturen für zwischendurch

Horror-Miniaturen für zwischendurch

Horrorspiele müssen kein abendfüllendes Vergnügen sein – und auch kein teures: Vier kostenlose Empfehlungen für die kleine Gänsehaut zwischendurch.

Hinter dem meisterhaften Mystery-Abenteuer Midnight Scenes: The Highway steckt der Pixelkünstler Octavi Navarro, der unter anderem an Thimbleweed Park und an der Arctic-Expanse-Erweiterung von Curious Expedition beteiligt war. Das Point-and-Click-Adventure erzählt die Geschichte von Claire Barnes, die bei einer nächtlichen Autofahrt von einem umgestürzten Strommast aufgehalten wird. Das Schwarz-Weiß-Spiel bedient sich stilistisch und erzählerisch ganz offen bei der legendären TV-Serie Twilight Zone und setzt entsprechend eher auf gepflegtes Gruseln denn auf kurzlebige Jumpscares. Die Rätsel entstammen der klassischen Adventure-Schule und sind nicht allzu anspruchsvoll, doch die grafische Perfektion des Spiels und die gelungene, stimmungsvolle Erzählung lassen hoffen, dass The Highway nicht die einzige Episode der Midnight Scenes bleiben wird.


Das von japanischen Geistergeschichten inspirierte Adventure Yûrei Station erzählt die verstörende Geschichte eines Mädchens, das mysteriöse Nachrichten auf seinem Smartphone bekommt und alleine mit dem Zug aufbricht, um herauszufinden, was dahinter steckt. Die Erzählung ist so fesselnd und beklemmend, wie es sich für ein gutes Horrorspiel gehört. Doch es ist vor allem die wundervolle Grafik, mit der Yûrei Station in Erinnerung bleibt: Alle Szenen wurden von französischen Schülerinnen und Schülern im Rahmen eines Workshops mit Wasserfarben gemalt, ein Making-of gibt es hier. Durch die reduzierten Animationen und die leicht wabernde Bewegung in den Hintergründen erzeugt das Spiel eine seltsame, nicht unbedingt genretypische Stimmung – zum Fürchten ist es trotzdem.


Im Point-and-Click-Puzzle-Adventure Overcursed sind der Protagonist und sein Hund Rocky in Ghostbusters-Manier als Dienstleister in paranormalen Angelegenheiten unterwegs. In den Häusern ihrer Kunden suchen sie die Ursache für elektromagnetische Störungen, beseitigen unangenehme Gerüche, gehen auf Monsterjagd und putzen unheimliche Botschaften von der Tapete. Overcursed bietet keine große spielerische Herausforderung, aber viel Atmosphäre und fein dosierten Humor. Insbesondere wenn es, wie empfohlen, mit Kopfhörern gespielt wird, hat es auch den ein oder anderen winzigen Jumpscare auf Lager.


Faith ist eine Zeitreise in die Ära des 8-bit-Horrors à la Friday the 13th und mit ein bis zwei Stunden Spielzeit deutlich umfangreicher als die anderen drei Titel. Bewaffnet mit nicht mehr als einem Kruzifix schleichen wir darin durch einen Wald, der neben scheuen Rehen auch jede Menge Zufallsbegegnungen mit Dänomen sowie etliche mysteriöse Orte bietet. Die Geschichte um einen Exorzismus wird mithilfe von Dokumenten erzählt, die wir hier und da finden, und ist vor allem ein Vehikel für ein erstaunlich forderndes und bisweilen tatsächlich angsteinflößendes Spiel – insbesondere der Effekt der synthetischen Stimmen ist beeindruckend. Und wer hätte gedacht, dass eine 8-bit-Version der Mondscheinsonate so unheimlich sein kann?