Immer wenn jemand Deus Ex erwähnt, solltest du NEON STRUCT installieren

Immer wenn jemand Deus Ex erwähnt, solltest du NEON STRUCT installieren

Die Cyberpunk-Schleicherei spielt sich genau wie die neon-rosa getönte Erinnerung an die schlecht gealterten Klassiker. (Achtung, Namedropping-Gefahr!)

Es gibt im Internet ein Sprichwort: Immer wenn jemand Deus Ex erwähnt, installiert es irgendwo jemand auf seinem Computer. Das legendäre Cyberpunk-Rollenspiel ist für viele Spieler_innen meines Alters mit guten Erinnerungen verbunden. Und auch ich lade Deus Ex nach jedem Gespräch darüber mal wieder herunter. Nur spielen tue ich es dann nicht.

Deus Ex gilt als Meilenstein der "immersive sim" genannten Design-Philosophie, die Ende er '90er so viel Wert auf die spielerische Freiheit legte wie vorher und nachher keine andere. Thief, System Shock, Deus Ex... all diese Spiele waren grandios und wegweisend, aber sind nicht wirklich gut gealtert. Wenn einem die sanft modernisierenden Mods dann doch zu viel Eingriff sind und jüngere Interpretationen der Idee wie Prey und Dishonored nicht zusagen, dann ist Neon Struct vielleicht genau das richtige Spiel.

Als Geheimagentin Jillian schleicht man hier durch kleine, aber offene Levels. Weg und Vorgehensweise lassen sich recht frei wählen. Alec Meer von Rock, Paper, Shotgun verglich das mit dem Freiheitsstatue-Level des ersten Deus Ex, der sich ebenfalls auf mehrere Arten lösen ließ. Neon Struct ist die Essenz der ruhigeren Teile seiner Vorbilder, auf den Punkt gebracht im stylischen Retro-Design eines modernen Indiegames.

Am meisten ähnelt es dabei noch dem Schleichspiel-Opa Thief. Die abstrakte, in ihrer Blockigkeit schon an Minecraft erinnernde Grafik hat dabei den großen Vorteil, dass sie extrem leicht lesbar ist. Hier verschleiert nicht der Drang zum Fotorealismus die spielmechanische Bedeutung der Umgebung. Leises Gras ist grün, lautes Metall ist grau und dazwischen gibt es nichts. Dieser simple Aufbau macht übrigens auch die Bedienung des mitgelieferten Leveleditors genauso zugänglich, wie das Schleichen selbst.

Die lautstarken Schritte und leuchtenden Augen der Wachleute lassen stets verorten, an welchem Punkt ihrer Patroullienroute sie sich gerade befinden. Symbole über dem Kopf signalisieren ihre Aufmerksamkeit und eine Anzeige macht klar, wie (un)sichtbar Jill gerade ist. Mit der Zeit bekommt sie außerdem mehr und mehr Spielzeuge spendiert, die ihre Arbeit im Schatten leichter machen; das übliche Videospiel-Prozedere eben.

Aber im Kern ist Neon Struct ein Spiel, das auf begrenztem Raum unbegrenzte Möglichkeiten gibt. Das endet im besten Fall mit perfekt geplant und ausgeführten Einbrüchen... und dann wieder in einer dunklen Ecke in einem Raum voller Wachen kauernd, während man sich fragt, wie einen das Gameplay überhaupt in diese missliche Lage hat kommen lassen. Und genau das macht die Philosophie ja so spannend.

Ach so, und die Klospülung kann man natürlich auch benutzen. Wie gesagt, Neon Struct ist eben eine waschechte "immersive sim".