Ein leeres Konto ist in 20XX die größte Bedrohung

Ein leeres Konto ist in 20XX die größte Bedrohung

Ja ja, ich weiß – noch ein Action-Plattformer. Davon hat die Welt noch nicht genug. Aber dieser ist vielleicht anders.

Wie ein Magnet ziehe ich Action-Plattformer an. Dabei bin ich weder gut in ihnen, noch mag ich sie besonders. Aber was soll’s, wenn ich schon auf der itch.io Seite von 20XX bin, kann ich es auch runterladen.

Auf den ersten Blick ganz cool, begrenzte Ressourcen, die bei jeder Bewegung schwinden und so jeden Move bedeutsam machen können. Hier und da Geschossen ausweichen oder selbst welche verschießen zwecks Gegnervernichtung. So weit, so bekannt.

Die oben erwähnte Ressource ist schlicht Geld. Hier kommt die Vermutung ins Spiel (haha), dass 20XX die Gamification der Normsetzung der neoliberalen Vorstellung ist, dass ein Individuum vorwiegend ökonomische Spielfigur ist und alles erreichbar wäre, strengt man sich nur genug an. „Alles erreichen“ bedeutet Erfolg und Erfolg ist in den meisten Fällen mit finanzieller Liquidität, um nicht zu sagen Wohlstand gleichgesetzt. Bist du rich as fuck, hast du es geschafft.

In 20XX musst du rich as fuck sein, um zu überleben. Jede Bewegung, jeder Schuss verbraucht Geld, getötete Gegner lassen es fallen – das ist mal ein System! Ist das Kapital aufgebraucht, ist jeder Treffer tödlich. Sprich, ist dein Konto leer, fängt dich nichts mehr auf und dich erwartet nur noch der Boden (denn auf den fällt die Spielfigur als pixelige Masse während des Sterbens) und anschließend Nichts. Na gut, im Spiel erhält man immerhin die Möglichkeit eines Neustarts. Frisches Money, frische Pixelaction.

Geld bestimmt die Welt von 20XX und es macht einfach mehr Spaß, wenn man mehr davon hat. Es bedeutet im Spiel mehr Handlungsfreiraum, denn man kann sorgloser durch die Welt gehen ohne die ständige Angst beim nächsten Fehltritt bankrott zu gehen und den Tod zu erwarten. Es bedeutet aber auch Macht: die stärkste Attacke der Pixelfigur verbraucht zwar enorm viele Scheine, ist dafür aber entsprechend gewaltig.

Dass fehlendes Kapital so verheerend sein kann und ein ganzes Leben dadurch bestimmt wird, ist in 20XX vielleicht eine Allegorie zur Machtasymmetrie basierend auf Wohlstand. Ein Hinweis auf die Ausrichtung eines Lebens auf Geld als Erfolgssymbol und die Reduktion der Spielfigur als wirtschaftlichen Akteur.

Zynischerweise ist das Ziel laut Geschichte (die nur dank der Beschreibung erkennbar ist), alle Konkurrenten in der postapokalyptischen und von Geld dominierten Welt zu vernichten, um schlussendlich selbst alles zu besitzen. Wenn das nicht Kapitalismus ist?!