Kampfkunstschulen sind in Absolver die besseren Gilden

Kampfkunstschulen sind in Absolver die besseren Gilden

Das Brawlenspiel von Sloclap belohnt nicht nur kluges Taktieren mehr als stumpfes Knöpfchenrodeo, sondern fördert social gameplay auf seine ganz eigene Art.

Vieles an Absolver fühlt sich an wie ein traditionelles MMO. Es gibt die klassische Aufteilung zwischen Player-versus-Environment und Player-versus-Player, jede Menge Loot mit unterschiedlichsten Werten, erlernbare Skills und tatsächlich auch so etwas wie Quests – auch wenn sich der Einfallsreichtum der Entwickler bereits in "Gehe zu A und erledige Gegner B" erschöpft. Das stört mich allerdings nur zu Beginn des Spiels, ebenso wie die elendigen unsichtbaren Wände, die das Areal beschränken, sowie die ab und an auftretenden Glitches. Denn all das schwimmt nur an der Oberfläche eines Spiels, dessen Tiefe sich vor allem an zwei Faktoren bemessen lässt.

Zum einen ist das die Art und Weise, wie mein Charakter neue Angriffe lernt. Diese kann ich nicht etwa durch das Sammeln von Erfahrungspunkten freischalten – mit den damit verbundenen Stufenaufstiegen kann ich lediglich meine Attribute steigern –, sondern muss dafür im wahrsten Sinne des Wortes einstecken. Verprügeln mich Computer- oder echte Gegner mit mir bis dato unbekannten Attacken und wehre ich eine bestimmte Anzahl davon erfolgreich ab, meistere ich selbige und kann sie in das Combat Deck meines gewählten Kampfstils aufnehmen. Dieses bietet mir vier verschiedene Ausgangsstellungen, die ich mit je drei Attacken bestücken kann und entsprechend eigene Schlag- und Trittkombinationen kreieren kann. Nimmt man noch die verschiedenen Waffen wie Schwert oder Kampfhandschuhe und die dazugehörigen Decks hinzu, sowie die Möglichkeit, insgesamt bis zu vier verschiedene Decks pro Stil und Waffe zu erschaffen, schrauben sich die Personalisierungsmöglichkeiten schnell in schwindelerregende Höhen. Und da jeder Spieler die selben Möglichkeiten hat, spielt sich auch jeder einzelne Kampf des Third-Person-Rollenspielprüglers anders.

Die andere elementare Säule von Absolver sind die Kampfkunstschulen, die ich nach jeder Menge PvP-Grind selbst gründen, denen ich aber schon von Anfang an beitreten darf. Denn grundsätzlich darf ich nur Decks für einen der drei zu Beginn gewählten Stile bauen, der entweder auf Schnelligkeit, Ausgewogenheit oder Stärke setzt. Trete ich jedoch einer Schule bei, deren Meister einen anderen Stil pflegt, schalte ich auch diesem entsprechende Decks frei. Wenn ich also einen wirklich ausgewogenen Kämpfer in die Arena schicken möchte, werde ich beinahe schon dazu gezwungen, mit anderen Spielern zu sozialisieren – und wenn das auch nur bedeutet, selbige effektiver mit Handkantenschlägen, Sprungtritten oder spitzen Gegenständen zu malträtieren.

Oh, und hatte ich schon erwähnt, dass die Geschichte von Absolver zwar dünn, aber so mystisch aufgeladen ist und durch Itembeschreibungen erklärt wird, wie beim großartigen Souls-Franchise? Dass der leicht comichafte Grafikstil absolut bezaubernd ist? Dass mich die zwar entvölkerte, aber wunderschön konzipierte Welt direkt in ihren Bann gezogen hat? Und dass die Community ehrlicher und fairer ist als bei ähnlich gelagerten Titeln wie beispielsweise For Honor? Zugegeben, mit dem kommenden Release von Destiny 2, einem auf den ersten Blick vergleichbaren MMO-Hybriden, wird es der Titel schwer haben, sich im PvP-Sektor auch längerfristig zu behaupten. Solange sich genügend Spieler für Eins-gegen-Eins-Duelle finden und ich endlich den Stagger-Stil meistern kann, bleibe ich dem gefallenen Imperium Adal aber auf jeden Fall treu.