Mit seinem Minimalismus lässt The Last Door Platz für schauriges Kopfkino

Ein Mix aus episodischem Telltale-Flavor, übernatürlichem Horror und Psychothriller: Der Point’n’Shiver-Titel vereint alles, was mir am Horror-Genre gefällt.

Wer den aktuellen Lost-Levels-Podcast gehört hat weiß, dass mir Body Horror und Jump Scares meist nur ein müdes Lächeln abringen, weil die Resultate oft erwartbar sind und aus Klischees entspringen, die sich mit den Jahren abgenutzt haben. The Last Door spielt auch mit klassischen Horror-Tropen, macht das aber auf so charmante Weise, dass es trotzdem als absolut gelungener Psychothriller im minimalistisch-düsteren Pixelformat bei mir hängen geblieben ist.

Während ich mich als Philosophieprofessor Jeremiah Devitt durch eine mysteriöse Geschichte um verschollene Freunde, eine okkulte Geheimgesellschaft und eine mysteriöse, unwirkliche Zwischenwelt namens The Veil klicke – Lovecraft anyone? –, fühle ich mich dank der Spielmechanik nicht nur an klassisches, kombinatorisches Point’n’Click erinnert. Auch Titel wie Alone In The Dark, das sich ebenfalls aus Gothic Horror und dem Ungreifbaren des Lovecraft-Mythos speist, aber dennoch mit klug gesetzten Jump Scares aufwarten kann, kommen mir beim Spielen von The Last Door in den Sinn.

Besonders gut geht das Spiel mit dem akustischen Element - den Soundtrack von Carlos Viola gibt es bei Spotify - um, das ähnlich wie auch schon das von mir behandelte Bannerman eher durch pointierten Einsatz als mit durchgängiger Untermalung glänzt. So wird das Ticken einer Uhr, das Prasseln eines Feuers oder das Knarzen von Fußbodendielen zum absoluten Gruselfaktor, der sich oft nicht im erwarteten Jump Scare auflöst. Und wenn es doch mal passiert, schlägt mein Herz umso lauter. Vorsicht, minimaler Spoiler: Krähen und ich werden dank The Last Door in diesem Leben wohl keine Freunde mehr.

Dank seiner kurzen, knackigen Episoden und der Aufteilung auf zwei Staffeln folgt der Titel nicht nur dem Telltale- und Serien-Prinzip, sondern arbeitet in der von mir gespielten ersten Staffel mit wunderbaren Cliffhangern und offenen Enden. Und ist es nicht am schaurigsten, wenn der Horror erst in der Reflektion im eigenen Kopf entsteht?