MURDERCIDE 2017 ist das Blade Runner 2049 der Point-and-Click-Adventure-Parodien

MURDERCIDE 2017 ist das Blade Runner 2049 der Point-and-Click-Adventure-Parodien

Hinter neonfarbigem Dauerregen und den lakonischen Monologen eines zynischen Cops verbergen sich danke memes, lol.

Wir schreiben das Jahr 2017 – in der Zukunft. Detektiv Jon Murphy sucht über seine Virtual-Reality-Brille im Internet nach Memes, als er den Anruf bekommt. Es gilt einen Mord aufzuklären. Hätte ihn doch nur seine Sekretärin nicht im Büro eingesperrt... MURDERCIDE 2017 von Powerhoof (bekannt für den Local-Multiplayer-Dungeon Crawl) ist ein Point-and-Click-Adventure alter Schule, inklusive Item-Kombinations-Rätseln, cartooniger Pixelart und einem Hauptcharakter, der jeden angeklickten Gegenstand mit einem witzigen Oneliner kommentiert.

Mit dem düsteren Cyberpunk-Look wird schnell gebrochen. Schon im einleitenden Monolog wird klar, falls das noch nicht klar war, dass MURDERCIDE 2017 kein Drama, sondern eine Komödie ist. Protagonist Murphy ist ein unerträglich infantiler Internet-Edgelord, der jeden zweiten Satz mit einem "LOL" beendet und so ständig mit der Welt um ihn herum kollidiert. Denn Humor ist in dieser Zukunft verboten.

Ein bisschen, aber auch nur ein ganz kleines bisschen, erinnert MURDERCIDE 2017 an die Welle von Parodien, die Scary Movie lostrat. (anm. d. Red.: ein Film, dessen Existenz ich bis heute nicht verstehe, denn er parodiert mit Scream eine Parodie, die das parodierte Genre weitaus besser versteht). Die waren alle schrill und scheiße. Dass das Ganze hier dennoch so wunderbar funktioniert, liegt unter anderem an dem komplett synchronisierten Voiceover. Hier ist Murphy ein völlig anderer Charakter und wenn man nicht ganz genau auf die trocken vorgetragenen Worte achtet, könnte seine Stimme auch die von Mark Benninghoffen sein.

Cyberpunk ist selten das Ziel solchen Spotts. Vielleicht ist das Genre dazu einfach zu nerdig, zu nischig, zu uninteressant, und die Publikumsreaktionen auf Ghost in the Shell, Mute und Blade Runner 2049 scheinen das zu unterstreichen. Die hat nämlich niemand gesehen. Umso schöner ist es, die mit Klischees überladene Science-Fiction auch mal aus einer Perspektive zu sehen, die sich selbst nicht ganz so furchtbar wichtig nimmt. MURDERCIDE 2017 überanstrengt seine Zeit nicht und endet nach etwa 10 Minuten. Es hört damit gerade rechtzeitig auf, bevor der Witz in einer endlosen Flut repetitiver Punchlines unterzugehen droht... wie Tränen im Regen.