Ob ich in Don't Make Love am Ende Sex habe oder nicht ist zweitrangig

Das narrative Mini-Dialog-Adventure ist eine besonnene Abhandlung über die schönste Nebensache der Welt – und nebenbei auch ein kleiner Psycho-Test.

Wie stehe ich zur großen Liebe? Welchen Wert haben Beziehungen für mich? Ist ein kurzer Glücksmoment es wert, eine sorgsam aufgebaute und gepflegte Beziehung aufs Spiel zu setzen? Gewichtige Fragen, mit denen das italienische Studio Maggese die Spieler in Don't Make Love konfrontiert.

Ein Glück, dass die ehemalige Superlevel-Sexpertin Nina Kiel für die Illustrationen der Gottesanbeterinnen-Protagonisten und die Spielwelt verantwortlich zeichnet, denn sonst wäre der Titel trotz seiner Nominierung als Best Student Game bei den Independent Game Festival Awards 2018 unter meinem Radar entlanggeflogen. #toomanygames und so.

Das Besondere an Don’t Make Love ist die Art, wie ich die Entscheidung des Pärchens beeinflusse, sich zu trennen, Sex zu haben und damit den Tod des Männchens in Kauf zu nehmen, oder die Beziehung so wie zu belassen, wie sie ist. Abgesehen von einigen Standard-Interaktionen wie einer Umarmung, einem Lächeln oder einem Kuss steuere ich das Gespräch durch das Eingeben eigener Antworten. Das kommt gerade bei den oben genannten Fragen, die mir je nach Verlauf während des Gesprächs gestellt wird, beinahe schon einer kleinen Psychoanalyse gleich.

Denn obwohl es natürlich auch immer möglich ist, die Rollenspiel-Route zu begehen und sich losgelöst vom eigenen Empfinden in die Charaktere zu versetzen, reizt mich an derart offen angelegten interactive narratives der Fakt, dass ich mich selbst in das Spiel einbringen kann. Spoiler-Alert: Nahezu alle meiner Spieldurchläufe endeten damit, dass ich das Pärchen dazu bringen konnte, zusammenzubleiben und ihre Beziehung, der eben nur das explizit Körperliche fehlt, weiter zu genießen. Was das über mich aussagt? Eigentlich egal. Viel wichtiger ist doch, wie ihr selbst Don’t Make Love und seine liebevoll ausgearbeitete Prämisse erlebt.