In Off the Record ist der Kunde ein grausamer König

In Off the Record ist der Kunde ein grausamer König

Eine Woche im Leben eines Plattenhändlers.

Neulich ging ich spazieren und bemerkte dabei zum ersten Mal die enorme Dichte an Plattenläden in meinem Kiez. Allein in einer der größeren Straßen zählte ich sechs Händler, teilweise nur wenige Meter voneinander entfernt. Seitdem frage ich mich, wie sich die vielen kleinen Geschäfte in dieser durchgentrifizierten Ecke halten können. Denn trotz des Vinyl-Revivals dürfte mit einem Plattenladen ja nicht mehr ausreichend Geld zu verdienen sein, seit Discogs und Ebay nur einen Mausklick entfernt sind. Oder etwa doch? Auf der Suche nach Antworten versuche ich mein Glück in Off the Record.

Darin kämpft der bezaubernde kleine Plattenladen Horizon Records ums finanzielle Überleben. Eine Woche lang, von Montag bis Sonntag, werde ich versuchen, das zu ändern. Werde ihn morgens aufschließen, eine passende Platte auflegen, meine Kundschaft bedienen und beraten und dabei möglichst nicht pleite gehen. Nur eine Handvoll Kundinnen und Kunden verirren sich am Tag in mein Geschäft, umso mehr zählt jeder Verkauf. Die Verkaufsstrategie überlässt das Spiel mir: Ich kann etwa meine Hilfe anbieten, ich kann versuchen, Smalltalk zu machen oder meine Kundschaft einfach entspannt durch die Platten stöbern lassen. Obwohl ich selbst am liebsten in Ruhe gelassen werde, entscheide ich mich hier stets für die offensive Ansprache. Was der stationäre Handel dem Onlinegeschäft voraus hat, heißt es schließlich immer, seien Kundenservice und persönliche Beratung.

Off the Record zeigt schonungslos, wie wahr und zugleich falsch das ist, denn meine Kundschaft muss in der Tat betreut werden – aber bitte weder zu viel noch zu wenig. Frage ich zu aufdringlich nach, vergraule ich den menschenscheuen Kunden. Zeige ich mich zu wenig hilfsbereit, kauft die Kundin die Platten für ihren reichen Chef eben bei der Konkurrenz. Und während manche Kunden meine musikalische Kompetenz zu schätzen wissen, empfinden andere sie als Klugscheißerei. Meine Erfolgsbilanz ist äußerst gemischt, auf einen zufriedenen Kunden kommt mindestens einer, der die Flucht ergriffen hat und ein halber, der mich dabei noch beschimpft.

Schon zur Wochenmitte ahne ich, dass das mit mir und dem Traum vom Plattenladen nicht gut ausgehen wird. Zum Glück hat Off the Record je nach Spielverlauf unterschiedliche Enden, sodass ich es nach einer Woche des Scheiterns einfach nochmal versuchen kann. Und sollte es mir irgendwann tatsächlich gelingen, Horizon Records zum Erfolg zu führen, kann ich mich ja mal nach günstigen Ladenflächen in meiner Nachbarschaft umsehen. Wo sechs Plattenläden überleben können, ist bestimmt noch Platz für einen siebten. Oder etwa nicht?

Das wunderschöne Off the Record des norwegischen Entwicklers Eight Bit Skyline entstand übrigens als Beitrag für den diesjährigen Adventure Jam und kann kostenlos heruntergeladen werden.