In Paratopic seid ihr immer einen Smashcut von der Wahrheit entfernt

In Paratopic seid ihr immer einen Smashcut von der Wahrheit entfernt

Paranoia [CUT] Verschwörung [CUT] Bodyhorror

Manchmal erscheinen Werke, bei denen sofort klar ist, dass sie ihr Genre, wenn nicht sogar ihr ganzes Medium, auf den Kopf stellen und für immer verändern werden. Brendon Chungs Thirty Flights of Loving ist so ein Werk. Die kurze, interaktive Geschichte bedient sich bei Filmtechniken, vor denen Videospiele sonst zurückscheuen: Jumpcuts, Matchcuts, Smashcuts – all die harten, abrupten Schnitte, die im Gamedesign als desorientierend vermieden werden. Bei Chung stehen sie im Mittelpunkt.

Der stilistische Wagemut wurde nicht nur mit einem offiziellen Kultstatus™ belohnt, sondern inspirierte auch zahlreiche andere Spielemachenden, mit den laut Konventionen des Mediums eigentlich verbotenen Methoden zu spielen. Das bekannteste war wohl das 2016 erschienene Akte-X-like Virginia.

[CUT TO: PARATOPIC]

Die Story von Paratopic erschließt sich noch weniger als die seiner selbst schon kryptischen Vorbilder. Es geht um irgendwelche VHS-Bänder (für die weniger Alten unter uns: "VHS ist ein von JVC entwickeltes analoges und zuerst 1976 in Japan auf den Markt gebrachtes Aufzeichnungs- und Wiedergabesystem für Videorekorder"), die Ringu-style etwas unaufhaltsam Böses in sich tragen.

Nach einer halben Stunde endet Paratopic und kommt einer Auflösung sogar vergleichsweise nahe. Davor bedient es sich zwar einiger etwas bemüht wirkender Klischees des Horror-Genres, erzeugt aber dennoch eine beunruhigende Stimmung der Paranoia. Wer auch nur ein bisschen was für die Ästhetik der Blendo Games, Grafik aus der PlayStation-Ära und interessante Spielweisen des Horrorgenres sowie 5€ übrig hat, kann Zeit und Geld durchaus schlechter investieren als in Paratopic.