RUNONCE macht Permadeath zu einer philosophischen Erfahrung

RUNONCE macht Permadeath zu einer philosophischen Erfahrung

Manchmal braucht es ein vergängliches Desktop-Haustier, um mir wichtige existenzielle Fragen ins Gedächtnis zu rufen, die heutzutage leicht untergehen.

Träumen virtuelle Hasen eigentlich von elektrischen Möhrchen? Und was bleibt, wenn ich das namenlose Fiepsehäschen aus RUNONCE der Entwicklerin Nathalie Lawhead mittels Taskmanager aus dem digitalen Leben fege?

Ganz praktisch gesehen: Jede Menge Antworten, die ich ihm auf seine Fragen mittels Texteingabe gegeben habe und fein säuberlich auf meinem Desktop als Screenshot abgelegt werden. Und eine Reihe von Merksätzen mit philosophischen und existenzialistischen Beobachtungen, die ich auf sein Bitten hin im Bildformat auf meiner Festplatte speichere.

Mechanisch gesehen interagiere ich zwar mit dem philosophischen Geschwisterchen von Clippy, aber eigentlich serviert es mir nur die Fragen, die man sich ohnehin immer wieder stellt.

Was ist schlimmer, zu sterben oder vergessen zu werden? Ist es wichtig, Liebe zu bekommen, oder genügt es, Liebe zu geben? Warum übt die Gesellschaft Druck auf einen aus, sich in eine konformistische Kiste zu pressen, wenn jeder Zyklus doch ohnehin mit dem Tod endet?

Immer wieder fragt mich der gelbfäustige Hoppelhase danach, was ich denke, und legt meine Beobachtungen in einen Ordner mit dem Namen "remember_me". Seien wir mal ehrlich: Schaue ich dort wirklich noch einmal rein, nachdem ich meinen kurzlebigen Desktop-Begleiter ins Reich des digitalen Permadeath verbanne? Vermutlich nicht.

Aber vielleicht genügt schon der Grabstein, der beim erneuten Starten des Spiels auftaucht, als deutliches Statement: Dinge sind endlich. Und manchmal bleiben uns nur die Erinnerungen daran. Also sorgen wir am besten dafür, dass es nicht gute oder schlechte, sondern wertvolle sind.