Scanner Sombre scheitert in Schönheit

Eine gute Idee ist manchmal mehr wert, als eine gute Umsetzung.

Denn Scanner Sombre ist vermutlich die interessanteste Spielweise des Walking Simulators, seit Dear Esther vor gefühlt 127 Jahren den Stil des Genres prägte. Mittels eines 3D-Scanners muss diesmal eine stockfinstere Höhle kartografiert werden. Während der schwarze Bildschirm sich langsam mit leuchtenden Punkten füllt, werden Wände, Wege und Abgründe sichtbar. Einen texturlosen Level so erst Stück für Stück enthüllen zu müssen weckt glatt Erinnerungen an das stilistisch am ganz anderen Ende des Spektrums verordnete Beyond Eyes, in dem die Spielwelt aus der Perspektive eines blinden Mädchens gezeigt wird.

Das Konzept von Scanner Sombre ist so simpel, so genial, dass es umso trauriger ist, dass Entwickler Introversion nicht so recht etwas mit ihr anzufangen weiß. Die Story fliegt in banalen Textklötzen vorbei und die Atmosphäre pendelt ziellos zwischen Horror und Erhabenheit. Dennoch: Wenn alle gescheiterten Spiele so einzigartig und wunderschön scheitern würden wie Scanner Sombre, dann bräuchte es eigentlich keine Hits mehr. Und auch so war es schön, dass eines der einflussreichsten Indie-Studios nach dem großen Erfolg des konventionelleren Prison Architekt zu ihren experimentellen Wurzeln zurückkehrt.