Session hat das Potenzial zum Dark Souls der Sportspiele zu werden

Session hat das Potenzial zum Dark Souls der Sportspiele zu werden

Ihr hattet als alte Tony-Hawk-Füchse mit dem Realismus von Skate so eure Problemchen? Dann freut euch schon mal auf die nächste knallharte Skateboard-Sim.

Es ist bezeichnend und unglaublich passend, dass die kostenlose Kickstarter-Demo von Session mich nicht etwa in irgendeinem Skatepark shredden lässt, sondern meine zugehackte Spielfigur einen orangenen Knastoverall trägt und im "Pausenhof" desselbigen seine ersten Runden auf einem halb kaputten Deck drehen darf. Denn der via Kickstarter finanzierte spirituelle Nachfolger der legendär guten, aber gleichzeitig auch legendär knackigen Skate-Reihe von Electronic Arts macht es mir direkt zu Beginn ordentlich schwer.

Gebe ich meinem Board nur einen leichten Schubs, ist das Kurvenfahren realitätsgetreu eine wahre Qual. Trete ich zu fest zu, ist das Deck schwerer zu kontrollieren – und schon die geringste Kollision mit Rails und Ledges sorgt direkt für einen absurd komischen Ragdoll-Sturz, einen kurzen Frustmoment und eine zerschossene Line. Das ist allerdings nur auf den ersten Blick Schikane, genau wie der Fakt, dass ich schon für die Ausführung eines simplen Ollies den rechten Analogstick zum Schwung holen und den linken für den Pop bemühen muss. Denn genau das ist es, was sich Anhänger von Skate-Simulationen im Gegensatz zur "Ich springe mit meinem 100-fachen Multiplikator mal eben über diesen Schneepflug"-Tony-Hawk's-Pro-Skater-Fraktion wünschen: Ein möglichst realitätsnahes look und ein erbarmungsloses feel.

Selbst die kurze Demo verlangt mir, der jeden Teil der Pro-Skater- und Skate-Franchises verschlungen hat und in grauer Vorzeit auch im echten Leben ab und an Kickflips ohne daraus resultierender Platzwunde stehen konnte, jede Menge ab. Das Wichtigste ist allerdings, dass es Session mit seiner Optik, seinem Soundtrack und seinem Spielgefühl schon jetzt gelingt, ein wollig-warmes Nostalgiegefühl zu erzeugen und trotz der noch etwas ungelenken Animationen, Clipping-Fehler und sonstigen Alpha-Wehwehchen nach einer gewissen Eingewöhnung einfach nur sau viel Spaß zu machen.

Es ist noch ein langer Weg, bis das Spiel auf Xbox und Steam landet; die Entwickler peilen momentan einen Release im Sommer 2019 an. Aber schon jetzt könnte meine Vorfreude nicht größer sein. Denn wo Fotorealismus in AAA-Spielen schon langsam zum guten Ton gehört, ist es verdammt gut zu sehen, dass auch die (Fun)sport-Ecke bereit ist, den Arcade-Faible zugunsten von forderndem Sim-Appeal beiseite zu lassen.