In Do Not Feed the Monkeys ist das Internet ein Zoo mit Menschen

Wer beobachtet in dieser simulierten Simulation eigentlich wen?

Als kleines Zahnrad in der Maschine der digitalen Überwachung nehmen Spielende in Do Not Feed the Monkeys die Rolle eines namenlosen, hungrigen, müden Voyeurs ein. Dieser ist, vor seinem Monitor gefesselt, viel zu sehr in das Leben anderer vertieft ist, um noch an Banalitäten wie das rechtzeitige Zahlen seiner Miete zu denken. Auf der unausweichlichen Metaebene, die scheinbar jedes Spiel haben muss, damit ich es gut finde, spricht das Spiel (natürlich auch gesellschaftskritisch) das passive, beobachtende Verhalten an, was viele von uns mal mehr, mal weniger bewusst im Internet ausleben.

Es gilt, aus dem kleinen Kämmerlein heraus die "Primaten" vor ihren Kameras zu beobachten, wichtige Erkenntnisse über sie zu sammeln und diese mitzuteilen. Wem, wieso, zu welchem Zweck? Das weiß man nicht so genau und es ist irgendwie auch egal. Es gibt eine obskure Firma, deren Geheimnistuerei dem Fight Club ähnelt, deren Intentionen entsprechend verborgen bleiben. Immerhin ermöglicht sie diese Überwachung erst und Fragen nach jeglicher Ethik könnte man später immer noch stellen. Die Leben der unwissend Überwachten zu beobachten ist weitaus spannender. Zumindest als darüber nachzudenken, inwiefern Do Not Feed the Monkeys kritische Selbstreflexion anregen könnte oder wie das Spiel einen Spielplatz für das Austesten von Grenzen des digitalen Miteinanders bietet.

Nicht nur voyeuristische, sondern auch detektivische Fähigkeiten sind gefordert. Interessante Dialogfetzen werden in einem Notizbuch gesammelt, in Mind Maps thematisch sortiert und mithilfe einer Suchmaschine um Kontext erweitert. Und ich muss zugeben: Das macht Spaß! Immerhin erwarten DSGVO-Verletzer in der echten Welt drakonische Strafen, wenn sie sich bei diesen mindestens moralisch fragwürdigen Tätigkeiten jenseits der Privatsphäre anderer erwischen lassen.

Die Auswirkungen der Überwachung und des Weiterleitens sensibler Daten sind nicht direkt absehbar. Durch die Erfahrungen mit Spielen wie Life is Strange, Orwell oder anderen Werken mit entsprechender Zeigefinger-Moral lässt sich das aber erahnen. Abgesehen von den sporadischen Quests ist es Spielenden selbst überlassen, ob sie eingreifen, wenn sie beispielsweise ein Verbrechen beobachten. Das Resultat kann man dann in der Zeitung nachlesen – oder eben auf den Monitoren selbst beobachten.

Do Not Feed the Monkeys bietet viel Raum für Diskussionen über Netzkultur und Überwachung, stärkt die Paranoia der Webcamabkleber, ist aber gleichzeitig ungemein unterhaltsam. Ein bitterer Beigeschmack bleibt. Wer damit leben kann, wird sich in der Welt der Kameras schnell verlieren. So verwerflich kann es ja nicht sein, wenn es so viel Spaß macht.