Songbringer spielt sich wie Zelda - auf Pepps

Das Throwback-Action-RPG ist schön trippy, hat eine schicke Optik und gibt mit seiner prozeduralen Welt nicht an. Warum gefällt es mir dann dennoch nicht?

Wie gerne ich Songbringer mögen würde! Alles an dem Projekt verströmt Liebenswürdigkeit. Der Entwickler Nathanael Weiss finanziert sein Herzensprojekt nach Major-Mühle und folgender meditativer Auszeit überaus erfolgreich auf Kickstarter. Die Verneigung vor Super-Nintendo-Klassikern wie The Legend Of Zelda: A Link To The Past, Illusion Of Time oder Secret Of Mana ist an allen Ecken zu spüren.

Die Mischung aus SciFi und Fantasy ist ebenso trashy wie charmant und weil der Bildschirminhalt immer wieder verschwimmt und über die Grenzen des sichtbaren Spielbereichs wabert fühlt es sich an, als würde ich durch einen quietschbunten LSD-Trip wandern. Die prozedural generierte Spielwelt und der überdrehte 90er-Jahre-Actionheld Roq mit seinem summenden Nano-Schwert und dem Zylinder-Wurfgeschoss passen wunderbar mit den restlichen Charakteren zusammen und erinnern an Sword & Sorcery in weniger ästhetisch-cool und dafür grenzwertig-campy.

Vielleicht ist es der Schwierigkeitsgrad, der mit jedem der neun Dungeons zunimmt und gegen Ende hin mehr an Bullethell als RPG erinnert. Oder die Tatsache, dass die Innovationskurve nach der ersten Stunde deutlich abflacht und man abseits vom Monster vermöbeln erschreckend wenig zu tun hat. Der Besuch auf dem namensgebenden Raumschiff, das mir nach meinem Crash auf dem unbekannten Planeten als erstes Ziel gesteckt wird, gestaltet sich derart antiklimaktisch, dass ich schnell wenig Lust auf weiteres dungeon crawling verspüre. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich dem Zelda-Franchise nie sonderlich viel abgewinnen konnte, mit dem Zerhacken von Büschen zwecks Diamant-(!) und Herz-(!!!)-Generierung und dem allzu offensichtlichen Wegbomben von brüchigem Mauerwerk.

Jedenfalls: Irgendwie will der Funke bei Songbringer trotz aller Bemühungen nicht überspringen; besonders, weil ich mir viel mehr Fokus auf die Musik gewünscht hätte. Immerhin zitiert Weiss selbst die in seiner Auszeit erlangten musikalischen Kenntnisse als wichtige Triebfeder für die Entwicklung seines Spiels. Und, nun ja, das Spiel heißt Songbringer! Da hilft es auch herzlich wenig, das mein Schwert munter vor sich hin summt und der Score in den jeweiligen Dungeons sich an den prozeduralen Elementen der gesamten Spielwelt orientieren soll, denn davon bekomme ich im hektischen Spielverlauf ohnehin wenig mit. Vielleicht ist Songbringer ein paar Jahre zu spät erschienen, vielleicht sind Link und ich nie dicke genug geworden, um ein derartiges Spiel wertschätzen zu können. Aber irgendwo da draußen findet sich sicher jemand, der Roq und seinen robotischen Begleiter Jib ins Herz schließen wird.