The Deadly Tower of Monsters befriedigte das vernachlässigte Bedürfnis meines inneren Filmgeeks

Wenige Spiele schaffen es, von der ersten Minute so anders zu sein, dass man alles liegen lässt und die nächsten Stunden in eine Parallelwelt entschwindet.

Früher™ hatten DVD noch "richtige" Bonusfeatures. Über x-stündige Making-Ofs, Interviews, gelöschte Szenen, Kurzfilme (The Long and Short of it!), versteckte Menüs, Storyboards, Audiokommentare vom Regisseur bis zum Gaffer – nach dem Filmvergnügen konnte man noch stundenlang verweilen. Ja, vieles davon landet heute auf YouTube, aber das ist nicht das selbe. Heutige Blu-Rays bieten selten mehr als einen halbherzig aufgenommenen Audiokommentar (wenn überhaupt), einige gelöschte Szenen und maximal Unmengen an Trailern, die in keinem Zusammenhang zum Film stehen.

In letzter Zeit fiel mir das wieder vermehrt auf; auch, da ich im Winter gern Hogwarts oder Mittelerde besuche. Da kam The Deadly Tower of Monsters mit seinem kruden Mix aus Hommage und Parodie auf die B-Movies der 1970er gerade recht. Spiele mit 70er SciFi-Setting haben mich in der Vergangenheit nie enttäuscht. Nach einem Filmabend via Streamingdienst daddelte ich mangels vermisstem Menü noch eine Weile auf der fremden PS4 herum, als es mich ansprang: The DEADLY Tower of MONSTERS!

"Nur mal kurz gucken!" Kurz. Daraus wurden sechs großartige Stunden. The Deadly Tower of Monsters braucht keine Logik. Seine Vorbilder brauchten ja auch keine. Und so gibt es hier einfach alles: Ein Affenvolk, das von einem Alienvolk versklavt wurde, welches wiederum von einem bösen Imperator unterworfen wurde; Dinosaurier, die Feuer spucken, Krokodilalienmagier, Mutanten... Jeder Teil des Spiels ist eine billig hergestellte Requisite des fiktiven namensgebenden Films, alles ist ein Klischee. Man nehme nur die Helden wie den strahlenden Dick Starspeed oder die nach einer Begegnung mit Dick abtrünnige, sehr blonde und sehr kurvige Tochter des Imperators Scarlet Nova und ein Robotorsidekick namens... Robot.

Mehr braucht das Spiel dann auch nicht, um das Gefühl eines waschechten, Low-Budget-Movies zu schaffen. Als wäre all das mit all seinen Hinweisen auf Popkultur nicht amüsant genug, kommt dann noch das Feature hinzu, das The Deadly Tower of Monsters zu meinem persönlichen Spiel des Jahres macht (obwohl eigentlich von 2016): Es ist eigentlich kein Spiel über einen Film, sondern der DVD-Rerelease des Films, der gerade von dem Regisseur Dan Smith höchstpersönlich (und dem technischen Assistenten Patrick) kommentiert wird – während des gesamten Spiels.

Inklusive sexistischer Kommentare. Gerade zu Zeiten von Weinstein und #metoo ein gefährliches Pflaster, mit dem die Entwickler 2016 wohl noch nicht gerechnet haben, was jedoch die Figur des prätentiösen, arroganten, filmisch unbegabten Idiotens abrundet. Sagen wir einfach, als der erste Kommentar ob der optischen Qualitäten der weiblichen Hauptdarstellerin fiel, war ich nicht überrascht. Keine Sorge allerdings, auch der Regisseur bekommt sein Fett weg.

Dieses Kommentar umfasst sowohl Anekdoten zum fiktiven Set, Game Overs, ja sogar stupides Herumstehen (ein artsy fartsy mutiger Schritt von Dan). Stillstehen ist allerdings das Letzte, das man in The Deadly Tower of Monsters tun sollte, denn auf über 50 Etagen gibt es zahlreiche Gegner zu bekämpfen. Deren schlimmstes Verbrechen? Armbanduhr am Set!