Vier Spiele, die mich 2019 emotional nährten

Vier Spiele, die mich 2019 emotional nährten

Spiele sind Emotionen. Sind Freude, sind Krawall, sind Ruhe, sind Hoffnung, sind Wut, sind Angst – in diesem, wie in jedem Jahr.

Untitled Goose Game: Ein wenig Krawall für die innere Ruhe

Ich weiß, ich bin spät dran mit der „Entdeckung“ – wie immer – aber ich war selten so sehr mit mir selbst im Reinen oder auch nur ansatzweise so entspannt, wie in dem Moment, in dem ich einen Jungen honkend in eine Telefonzelle jagte.
Allein hierfür, aber gerade auch im Zusammenhang mit dem kulturellen Phänomen, das die wohl schönste, titelnamenlose Gans hervorgebracht hat, musste ich dieses Spiel mit auf meine Liste nehmen. Man könnte jetzt natürlich sagen: „Hey, das Spiel wurde aber schon bei euch erwähnt!“, aber im Endeffekt wurde es überall bereits erwähnt und das hat es sich auch redlich verdient. Außerdem: zum Teufel mit den Regeln, honk honk.
Ein Extra-Shoutout auch für die Kunst, die dieses Spiel uns gebracht hat – denn Memes sind moderne Kunst, dont @ me. (@ me with all the goose memes tho)

Spyro Reignited Trilogy: Fire up that Glow Up

Wo wir gerade bei Regeln, frech sein und Spielen sind, die man meiner Meinung nach nicht oft genug erwähnen können, werfe ich als nächstes meinen liebsten violetten Drachen in den Ring. Allein schon, um der großartigen Wendung Rechnung zu tragen, dass einer meiner Kindheitshelden „neu“ für PC aufgelegt wurde. Das letzte Mal, dass eine meiner Kindheitssäulen wiederbelebt wurde, habe ich irgendwo zwischen gebrandeten Orangen und wütenden (und bemitleidenswerten) Horden, die wundervolle POC-Schauspielerinnen von Twitter vergraulten, beinahe die Lust verloren – trotz all der nostalgischen Emotionsexplosion, die nur positive Kindheitsthemen auslösen können. Nicht so hier jedoch. Ich war sofort Feuer und Flamme, die Liebe zu der Welt und dem kleinen Drachen mit der großen Schnauze quasi reignited, am Schreibtischstuhl festgeschmolzen... Ich könnte noch ewig so weitermachen. Let’s talk about Glow Up btw. Während ich in den 22 Jahren seit ich Spyro das erste Mal gespielt habe bloß müder, faltiger und ironischer geworden bin, sieht Spyro Reignited Trilogy heiß aus (einer ging noch). Klar wurde einiges der Ästhetik von 2019 angepasst, aber das ist mit so viel Detailliebe und Witz geschehen, dass ich liebend gern wieder viel zu viele Stunden in diesem Spiel... verbrannt habe.

Planet Zoo: Ein wenig Flausch gegen die Realität

Dieser Jahresrückblick ist unfassbar subjektiv und beruht einzig auf meinen Gefühlen, keiner weitergehenden Analyse. Das ist zwar häufig so, aber immerhin stehe ich dazu. Genauso wie ich zu meiner Scheinheiligkeit stehe, dass ich zwar keine Zoos betrete, aber liebend gern welche baue. Auch diese Erwähnung von Planet Zoo lässt sich direkt auf Sommerferien in meiner Jugend zurückführen, in denen ich im spirituellen Vorgänger zum Tycoon aufstieg.
Jetzt beobachte ich die Ergebnisse meiner Arterhaltungsbemühungen beim durch das Gehege tapsen (Scheinheiligkeitsalarm Nr. 2), während meine Gäste gern vor Durst verzweifeln können. In all dieser wunderschön gestalteten, liebevoll animierten, amüsant kommentierten Wholesomeness sammele ich schnell ein paar Endorphine, bevor ich mich in der echten Welt wieder der traurigen Wahrheit stellen muss, dass nicht einmal der Ententeich ums Eck mit so viel Hingabe gereinigt wird, wie meine Armee von Pflegern Haus und Hof meiner virtuellen Zufluchtstätte für alles Flauschige, Schuppige, Fedrige in Schuss hält. Wenn ich statt meiner Endorphine auch den Speicherstand ins echte Leben mitnehmen könnte, würde ich wohl noch mehr Lobeshymnen auf dieses Spiel singen. Aber so bleibt mir nur, mich auf die Gestaltung möglichst schöner Lebensräume zu konzentrieren und dabei Bedienungsminenfelder genauso wie die echte Welt zu ignorieren. Zum Glück fällt letzteres bei diesem Spiel echt leicht.

Hellblade: Senua’s Sacrifice: Sich der Dunkelheit stellen

Auf besagter Messerschneide zwischen Wholesomeness und allgemeiner Besorgnis balancierend, zwischen Licht und Dunkel, in der freundlichsten Jahreszeit dachte ich, es wäre an der Zeit, mich endlich an das Spiel, auf das ich mich die letzten Jahre am meisten gefreut hatte, zu trauen. Vielleicht nicht die gesündeste Entscheidung, aber nach meiner ersten Exkursion in gruselige Spielwelten vor einigen Monaten dachte ich, ich könnte es mit allem aufnehmen. Fakt ist: Senua kann es mit allem aufnehmen und ist ein beeindruckender Mensch, der sich den dunkelsten Aspekten seiner Selbst stellt. Und ich kann nur mit offenem Mund vor meinem PC sitzen – sowohl ob der Geschichte dieser Frau, als auch ob der Menschen, die sie erschaffen haben und für mich die Geschichte um Senua wahrhaft zum Leben erweckt haben. Ich halte es zwar kaum eine Stunde am Stück mit den ständigen Stimmen in meinen Ohren, in ihrem Kopf, aus, aber ich möchte ihr beistehen, lasse mich fallen und das Dunkel über mich rollen.
Manchmal habe ich Angst, ein Spiel, das lang auf meinem Pile of Shame lag, anzufangen. Aus Angst, es könnte mich enttäuschen. Dieses Mal habe ich Angst, es zu beenden. Aus Angst, ich könnte ihm – nein, ihr, Senua – nicht gerecht werden. Ich bezweifle, dass mich das Spiel so schnell wieder loslassen wird, doch zum Glück wird bald mit Hellblade 2 nachgelegt. Dieses Mal werde ich dann nicht ein Jahr vergehen lassen, bevor ich mich der Dunkelheit stelle.