Wenn du dir die Stadtwohnung nicht mehr leisten kannst, dann zieh halt nach Depreston

Wenn du dir die Stadtwohnung nicht mehr leisten kannst, dann zieh halt nach Depreston

Ein Spiel zu einem Song zu einer Geschichte zu einem Gefühl zur Gentrifizierung.

Du hast gesagt, wir sollten uns weiter außerhalb umschauen. Kann ja nicht schaden, wir müssen ja auch nicht in der Nähe der ganzen hippen Coffeeshops leben. Und seit wir eine eigene Kaffeekanne haben, ist unser eigener Latte ohnehin viel besser und spart uns auch noch Geld!

So versucht sich Courtney Barnett die Aussicht auf das deprimierende Vorstadtleben schönzureden. Aber es ist einfach günstiger, als in den zunehmend von rasantem Mietspreisanstieg betroffenen Stadtzentren zu leben. Diese Situation bannt die Australierin in ihren einmalig traurig-schönen Song Depreston. Ich selbst kann diese fast schon banal wirkenden Zeilen Alltagspoesie als Gerade-noch-so-Millenial nur zu gut nachvollziehen. Denn schließlich könnte ick oooch außerhalb von Berlins Ringbahnkreis günstiger leben, wa?

Spieleautorin Vaida hat den melancholischen Song (den ich gerade mal wieder in einer Endlosschleife höre) mithilfe der Software Bitsy in ein ebenso melancholisches Spiel verwandelt. Darin läuft die Protagonistin durch Zeilen des Textes, umgeben von kleinen Szenerien.

So wie Barnett am Ende des Songs gebetsmühlenartig wiederholt, dass sich das Haus mit einer halben Million eigentlich besser abreißen und neubauen ließe, zerfällt auch das Spiel zum Song zum Gefühl mehr und mehr. Wo die Spielfigur zunächst von einer winzigen Einzimmerwohnung zur nächsten zieht, steht sie am Ende in einem Trümmerhaufen. Aber auch in dem steht immerhin noch ein Bett. Und vielleicht ist das ja schon genug für ein Zuhause.