Wenn man das Gewaltmonopol hat, kann jeder Klick tödlich sein

Kritik an Polizeigewalt liegt den Machern von Police Stories zwar fern, aber dafür geben die Cops im Taktik-Shooter echt ihr Bestes. Hände hoch, Waffen runter!

Das Verhältnis von Spielen zu den bewaffneten Einsatzkräften war nie ein ganz einfaches. Wenn man der Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols auch nur ein wenig kritisch gegenübersteht, fällt es schwer, dessen Glorifizierung in Actionspielen gutzuheißen. Denn oft wird diese eigentlich zum Schutz der Bevölkerung gedachte Macht in der Realität missbraucht. Um Beispiele dafür zu finden, müssen wir nicht einmal in die USA blicken, sondern nur zu den teils unverantwortlichen Ausbrüchen gegen Demonstrant_innen oder die Unterdrückung der Presse beim G20-Gipfel in Hamburg vor einigen Wochen. Spiele, gerade Shooter, sind eben oft Machtfantasien. In der Rolle der militarisierten Spezialeinheit eines Battlefield Hardline oder Rainbow Six ist die Polizei kaum noch von Söldnern oder Armee zu unterscheiden - und löst jeden Konflikt sofort durch den tödlichen Schuss, der eigentlich nur das allerletzte Mittel sein sollte.

So kritisch ich das selbst sehe, habe ich doch eine Schwäche für Titel in diesem Setting. Umso mehr, wenn sie nicht so sehr im gewaltverherrlichenden Gunslinger-Sheriff-Jingoismus schwelgen, sondern das "korrekte" Vorgehen zu schätzen wissen. SWAT 4 gehört bis heute zu meinen liebsten Spielen, gerade weil das Ziel darin bestand, möglichst gesetzestreu und nach den Vorschriften zu handeln. So muss vor dem genretypischen Headshot der Versuch einer Verhaftung gemacht werden. Am Ende heißt es zwar doch "tot oder lebendig", aber lebendig bringt eben mehr Punkte.

Police Stories schlägt in eine ähnliche Kerbe, auch wenn es den Blick von der ersten Person in die Vogelperspektive verlegt. Als Einsatz-Duo müssen Geiseln gerettet, Gangster verhaftet und Beweismittel sichergestellt werden. Oft entscheiden dabei Sekundenbruchteile über Leben und Tod. Doch trotz dieser adrenalingeladenen Spannung fordert auch Police Stories das saubere Vorgehen ein. Erst per Druck auf "E" zum Aufgeben auffordern, dann schießen – und auch das nur, wenn der Typ wirklich eine Waffe hatte. Und nicht vergessen, Beweise zu sichern, damit auch klar ist, dass man hier einen echten Grund zur Notwehr hatte. Naja, zumindest ein Stück weit. Denn das im Juli per Kickstarter finanzierte Police Stories zeigt im Trailer eine als Badass-Team inszenierte Polizei, die direkt aus einer überdramatisierten Fernsehshow stammen könnte. Für die gute Sache ist es da auch mal in Ordnung, im Jack-Bauer-Stil einen Verdächtigen zu foltern.

Natürlich ist es nicht wirklich angebracht, ein Spiel mit echten Polizeieinsätzen zu vergleichen, bei denen es immerhin wirklich um Leben und Tod geht – ohne Chance zum Neustart des Levels. Und doch kann selbst so ein unkritisch romantisierendes Spiel verdeutlichen, welche Verantwortung das Gewaltmonopol mit sich bringt. So schnell ein Terrorist niedergestreckt ist, so schnell bringt ein allzu kopfloses Fingerzucken einen unschuldigen Zivilisten um. Und ohne die praktische Möglichkeit, einfach gefälschte Beweise am Tatort zu hinterlassen, bedeutet das hier "Game Over". Wenn die echte Polizei doch auch nur Minuspunkte für falsches Verhalten bekommen würde ...