Wer Junji Ito mag, sollte World of Horror spielen

Und alle anderen erst Recht! Denn das kostenlose Horror-Adventure eröffnet einen kleinen Blick in die übernatürlichen Abgründe der Manga-Vorlage.

Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, wer Junji Ito ist, als ich zum ersten Mal World of Horror spielte. Sicher, der Name des japanischen Horror-Autors wurde als Inspirationsquelle gelistet, aber ich klickte mich gleich durch zum kostenlosen Download weiter unten auf der Seite. Erst die begeisterte Reaktion von Florian brachte mich dazu, die Vorlage eines Blickes zu würdigen. Die schwarz-weißen Illustrationen des Spiels und das lovecraft'sche Unbehagen gefielen mir immerhin schon ganz gut. Und so bestellte ich mir ohne weitere Recherche den Sammelband Uzumaki und blätterte ein wenig darin herum, bis ich auf Seite 40 einen großflächig abgedruckten, bizarr deformierten Körper entdeckte. Buch zu. Alles klar. Dieses Bild werde ich so schnell nicht mehr los.

World of Horror ist zum Glück etwas harmloser als seine Vorlage. Spielerisch ist es eine lockere Mischung aus Point-and-Click-Adventure und Rollenspiel, in der es darum geht, übernatürliche Vorkommnisse in einer japanischen Kleinstadt zu erkunden. Von seinem Jugendzimmer aus lassen sich der nächste Fall wählen und anschließend auf der Suche nach Hinweisen verschiedene Orte erkunden. Rundenbasierte Kämpfe nagen an Lebensenergie und psychischer Gesundheit, Dialoge mit Fremden können in neuen Verbündeten oder parallelen Realitäten enden. Allerlei zufällige Ereignisse später stolpert man dann irgendwann automatisch auf das Finale zu.

Der Genremix ist für ein Horrorspiel recht ungewöhnlich. Zahlreiche Menüs mit Items und Statistiken sorgen für eine Distanz zwischen Spielendem und Spielwelt, die dem Grusel eigentlich eher abträglich sein sollte. Und doch schleicht sich schnell eine Gänsehaut an, die nicht zuletzt den vagen Illustrationen und andeutenden Texte zu verdanken ist. Diese sind weniger explizit als bei Ito, aber nicht zuletzt deshalb umso unheimlicher. Denn gruseliger als das was man sehen kann ist das, was sich nur erahnen lässt.

Die Anzahl der zu lösenden Fälle ist momentan noch recht begrenzt, ebenso wie die Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt, aber das ist wohl dem "Early Access"-Zustand geschuldet. Die phänomenale Grafik imitiert gleichzeitig die Zeichnungen eines Manga und den Pixelart-Stil eines Computers der frühen 80er und macht bisher wohl den größten Reiz dieses ungewöhnlichen Horrorspiels aus. Wer die Horror-Welt von Ito bereits kennt und liebt, findet hier eine gelungene Hommage. Allen anderen eröffnet World of Horror einen kleinen Blick in die Abgründe, die seine Mangas erkunden.