What the Fugl?!

Die elementaren W-Fragen beantwortet der Vogelflugsimulator fast komplett. Dass er jener nach dem Warum eine Antwort schuldig bleibt, ist sein größter Vorteil.

Okay, das könnte jetzt so klingen, als wäre ich einer dieser albernen New-Age-Dödel. Aber unser modernes Leben hat neben allerlei Annehmlichkeiten vor allem eines zu bieten: ein enormes Stresspotenzial. Überstunden sind gerade im Kreativbereich eher Pflicht als Kür, um sozial zu funktionieren muss ich bei allen hippen Hype-Serien und -Filmen up to date sein und zu diesem Zweck eigentlich den 72-Stunden-Tag erfinden, und nebenbei wächst mein stack of shame langsam, aber stetig in Richtung Stratosphäre. Kurz: Der Druck steigt. Exponential dazu steigt auch der Drang, des Öfteren etwas Simples, Beruhigendes und angenehm Unterforderndes zu spielen. Etwas wie das charmante Fugl zum Beispiel.

Darin gleite ich als metamorphierendes Flattervieh, das von der Fledermaus bis zum Flamingo zahlreiche Formen annehmen kann, durch eine prozedural generierte Voxel-Landschaft mit Bergen, Seen und Höhlen, die zum Parcoursflug einladen. Das Schöne daran: Ich kann natürlich im Sturzflug durch Täler jagen, die Wasseroberfläche entlangrasen oder neben dem tropischen Startareal auch mitteleuropäisch anmutende und wüstenähnliche Gebiete erkunden - muss es aber nicht. Genauso gut kann ich minutenlang weit oberhalb der Baumgrenze gleiten und dem meditativen Geplucker des minimalistischen Scores und dem Rauschen des Windes zuhören. Zwar lockt mich Fugl mit mythischen Kreaturen wie einem Feuervogel, denen ich über den Weg flattern und in die ich mich auch verwandeln kann, aber zwingt mich zu rein gar nichts.

In der VR experimentieren Entwickler zwar schon länger mit dem Konzept des Vogelflugs, aber egal ob Aquila Bird Flight Simulator, Birdly oder Eagle Flight: Keine dieser Simulationen schafft es, mir wie Fugl ein Gefühl von Freiheit und Zwanglosigkeit zu vermitteln. Denn hier darf ich als Spieler selbst, völlig frei von Vorgaben, die Frage nach dem Warum beantworten. Wenn das mal nicht Zen-Gaming in Reinstform ist.