Dank The Mind of Marlo hat der Schweinehund ausgesorgt

Dank The Mind of Marlo hat der Schweinehund ausgesorgt

Wer schon immer wissen wollte, wie man seinen inneren schleimigen, Fellknäuel kotzenden Eishai bekämpft, ist hier richtig.

Ich habe öfter das Gefühl, mehrere Köpfe zu haben. Nicht im Sinne einer Hydra (Auftritt Exfreunde, die sich vielsagende Blicke zu werfen), sondern eher im Sinne eines Kaleidoskops der Emotionen (Schönreden hilft. Single sein auch.). Letztlich verlangen verschiedene Situationen ja auch unterschiedliche Reaktionen. So bin ich im juristischen Bereich ruhiger und sachlich, verwende übermäßig häufig die Ausdrücke „mithin“, „folglich“, „grundsätzlich“ und wenn ich ganz motiviert bin „das kommt darauf an“. Im privaten Umfeld kichere ich dafür für einen drogenabstinenten Menschen deutlich zu viel und liebe Übertreibungen. Im Englischen fluche ich wie ein Seefahrer, im Deutschen quasi nie. Und so weiter.

Ich hätte auch einfach versuchen können, die Szene mit Vorder- und Hinterbühnen und der Idee verschiedener Freundeskreise einzuleiten, die verschiedene Aspekte unseres Charakters bedienen, aber zum einen bin ich für so eine allgemeine Betrachtungsweise zu ich-bezogen, zum anderen auch einfach nicht gebildet genug in sozialen Belangen. Verweise darauf, wer wie viele sei und warum, waren selbst mir dann aber auch zu schäbig. Hier sind wir nun also und wir alle wissen ja jetzt, worum es geht (Spoiler: nicht - mehr - mich).

Was wäre nun aber, wenn unsere verschiedenen Charakterzüge nicht von uns passend zur Situation abgerufen würden, sondern sie sich ohne unser Mitwirken oder irgendeine Einflussmöglichkeit als Reaktion manifestieren würden? Also ein bisschen wie „zu betrunken, um zu wissen, ob die Reaktion angebracht ist“, nur weit jenseits der 16 Jahre und ohne guten Freundeskreis, der uns vor uns selbst bewahrt. Noch schlimmer: Was, wenn wir so deutlich eine physische Reaktion zeigen würden, dass ein Verstecken und Überspielen unmöglich wird?

Dann ginge es uns wohl wie Marlo in The Mind of Marlo. Marlo leidet am Spontaneous Silly Head Syndrom, einer Krankheit, in der sein Kopf zu den unpassendsten Zeiten die albernsten Formen annimmt. So schleimt Marlo regelmäßig als Schneckenkopf das Bad zu, frisst sich als Hai quer durch den Kühlschrank oder zerkratzt als Katze die Möbel. Das belastet nicht nur seine Beziehung zu seinem Vater, sondern löst auch eine ausgewachsene Agoraphobie aus. In der Wohnung wird Marlos Zustand aber auch nicht besser. Überall erinnert ihn alles an seine Exfreundin Linda, die Marlo vor „kurzem“ verlassen hat, was den neuesten Schub des Silly Head Syndroms verursacht hat.

Ich bin kein Psychotherapeut, aber ich möchte behaupten, dass das 2x1m Aktbild von ihr im Schlafzimmer nicht dabei hilft, über sie hinwegzukommen. Ist aber nur eine Vermutung. Ich will ihm da auch gar nicht reinreden. Will ja nur helfen. Und das kann ich, indem ich per Point-and-Click einfach Abschreckmittelchen gegen die verschiedenen Manifestationen von Marlos inneren Konflikten bastele. Gegen fast alle Probleme ist irgendein Kraut gewachsen, also starte ich eine umfangreiche Konfrontationstherapie mit Marlo. Löst am Anfang noch jede Anekdote, die Marlo mit mir teilt, eine deutliche Kopfverdrehung aus, bekommen wir recht fix doch alle Fell-, Schleim- und Eiskapaden in den Griff. Die Frage ist nur, wer sind wir am Ende eigentlich, ohne Ängste, ohne Masken, ganz allein mit uns selbst? Und welches Gesicht zeigen wir dann lieber? Das, wie wir uns selbst gesehen haben, oder das, welches wir dann entdecken müssen?