Wie mich Baba Is You mit Walkthroughs versöhnt hat

Wie mich Baba Is You mit Walkthroughs versöhnt hat

Das Sokoban-Like ist niedlich und fordert auf positive Art. Trotzdem habe ich kein Problem damit, mir von anderen Spielenden die Lösungen aufzeigen zu lassen.

Mir passiert immer wieder derselbe Denkfehler. So toll Baba Is You von Arvi Teikari alias Hempuli Spielende auch in seine Welt aus verschiebbaren Wortblöcken einführt, so klar mir das Prinzip ist: Die Schlussfolgerung zu ziehen, dass manchmal einfach ein zweiter "is"-Block des Rätsels Lösung darstellt, fällt mir oft schwer.

Das liegt sicher auch daran, dass Baba Is You mit den Erwartungen an das Spiel selbst jongliert. Jedes Mal wenn ich denke, ich hätte ein besonders knackiges Rätsel durchblickt, präsentiert das nächste Level eine Variante davon, die mich mit großem Fragezeichen zurücklässt – und dabei sind Satzzeichen nicht mal im Spiel integriert! Und auch wenn ich mit großer Verve in knifflige Spiele wie die Soulsborne-Reihe werfe und gerne, wenn möglich, übermächtige Gegner aus eigenem Antrieb bezwinge, bei Baba Is You ist es anders.

Wenn ich mit dem knuffigen Pixelschaf (ja, es ist ein Schaf, don't @ me) Blöcke umherschiebe oder wie Kollege Daniel zehn Minuten auf den Bildschirm starre, um die Lösung zu finden, greife ich immer öfter und schneller zu Lösungshilfen. Natürlich ist es ein bisschen doof, sich auf die Leistungen von anderen zu verlassen, damit man selbst ein besseres Spielerlebnis hat. Aber das ist ja gerade das Tolle an Baba Is You: Bis auf den verloren gegangenen Aha-Moment gibt mir das Spiel auch dann genug zurück, wenn ich einem Walkthrough folge. Denn auch mit "schummeln" sieht das Spiel zum verlieben aus, auch mit "schummeln" bleibt die Mechanik toll, auch mit "schummeln" verliert das Spiel nichts von seinem Zauber.

Das, was Baba Is You von beispielsweise Sekiro unterscheidet, ist nämlich folgendes: Das Puzzlespiel hat keine motorisch-mechanische Ebene, die ich für mich persönlich meistern möchte, anders als From-Spiele. Und wenn das Gehirn nach den ganzen Belastungen, die es im Alltag ausgesetzt ist, mal nicht so schnell schaltet, warum sollte man sich dann dieser quietschbunten Wortschiebeerfahrung berauben? Nur, weil man feststeckt? Weil man gerade oder generell nicht so "klug" ist wie all die anderen? Dieses Herunterputzen durch sich selbst ist kein Spiel der Welt wert, artistic vision hin und her. Und hey, vielleicht ist das nächste Level ja schon wieder etwas versöhnlicher. Baba Is You? Walkthrough Is Win.