Zwei Pixelfarben sind für Mattis Dovier genug, um beunruhigende Kunst zu erschaffen

In detailliertem schwarz-weiß und inspiriert von düsteren Horror-Mangas ziehen die GIF-Animationen des Pariser Künstlers in ihren Bann.

Das GIF hat eine lange Geschichte. Die drei Buchstaben mit der umstrittenen Aussprache stehen für viel mehr als nur die Endung eines Dateiformats. Sie sind eine eigene Kunstform. Vor 30 Jahren entwickelt, um Bilder möglichst platzsparend abzuspeichern, sind sie neben dem Emoji mittlerweile fester Bestandteil der Art, wie online kommuniziert wird. Und das natürlich nur, weil sich in GIFs kleine Filmsequenz abspeichern und auf nahezu jedem Gerät mit einem Bildschirm abspielen lassen.

Mattis Dovier macht nicht nur GIFs, aber seine Animationen sind dennoch wie geschaffen für das Format. Der französische Künstler inszeniert üblicherweise Musikvideos, Werbespots oder Kurzfilme. Obwohl er dafür ausschließlich schwarze und weiße Pixel benutzt, entfalten diese durch die geschickte Nutzung von Dithering-Effekten und flüssigen Bewegungsabläufen eine hypnotisierende Tiefe. Entdeckt habe ich Doviers Arbeit aber nicht über eines seiner Videos, sondern eben als GIF.

Was die Bilder an Kontext verlieren, gewinnen sie an Wirkung dazu. Viele der brutalen Bilder sind in der endlosen Wiederholung eines GIFs nur noch verstörender. Sein Stil erinnert an den kosmischen Bodyhorror aus Mangas von Junji Itō oder der eskalierenden Gewalt aus Filmen von Darren Aronofsky: Menschen reißen sich die Haut vom Leib, werden aufgeschlitzt oder von Sitzpolstern verschlungen. Die automatische Wiederholung nimmt Zuschauenden allerdings die Möglichkeit wegzusehen. Was als Video einfach vorbeigeht, wiederholt sich im GIF so lange, bis man die bizarre Szene bis ins letzte Detail erfassen konnte – oder musste.

Doviers Arbeit kann verstören, unterstreicht aber auch, dass technisch reduzierte Mittel das künstlerische Ergebnis nicht schmälern müssen. Ob minimale Farbpalette, die niedrige Auflösung seiner Pixelart oder fehlende musikalische Untermalung im GIF: Erst Limitierungen erschaffen eine beunruhigende Wirkung, die nur in diesem Zusammenspiel funktioniert.