Wir brauen Himbeerbier und rätseln im Südpazifik

Von vorweihnachtlicher Wohlfühlstimmung über heiße Wild West-Action zur Überinterpretation digitaler Erlebnisformate.

In Folge 56 unseres Podcasts sind nur zwei Menschen dabei, dafür sind die Takes umso heißer und vieldiskutiert. Florian schwärmt von Call of the Sea, einem wunderschönen und auch cleveren Adventure. Als Norah durchsucht er die Insel nach dem verschwundenen Ehemann und löst dabei Rätsel, die an die Erzählungen eines gewissen rassistischen Autoren des 20. Jahrhunderts angelehnt sind. Sein Erbe des kosmischen Horrors wird, im Gegensatz zu so vielen anderen Spielen, in Call of the Sea mit Bedacht und reflektiert thematisiert. Viele Gedanken und Ideen haben wir wiederum im Fall von El Hijo angewendet. Wieso die Bösewichte alle Spanisch sprechen und die Kinder als Sklaven gehalten werden, erschloss sich uns trotz noch so abwegiger Überlegungen nicht.

Was hingegen schnell klar war, war die Tatsache, dass Losers On A Christmas Eve ein hervorragendes halbstündliches Erlebnis ist, das so viel Wärme und Nächstenliebe ausstrahlt, dass es fast schon unangenehm wäre, wäre es nicht Weihnachten gewesen. Bleiben wir kurz bei unangenehmen Gedanken: Auch wenn ich mit Travellers Rest viele Stunden Glückseligkeit in meiner kleinen Kneipe erleben durfte, musste ich den Early-Access-Titel doch deinstallieren. Denn der Bierbrausimulator wirft im Podcast die Frage auf, ob wir uns zumindest in fiktiven Erlebnissen von Effizienzsteigerung als Motivator und Kapitalismusfantasien trennen können. Travellers Rest sagt “Nein”. Bis zu dieser Realisation macht das Stardew-Valley-Like aber enorm viel Spaß.

Die Leckerlevels dieser Folge sind bezeichnend für uns als Koch und Köchin. Während Florian die Zutaten für Hot Dogs, in diesem Fall Relish, selbst herstellt, würze ich neuerdings mein Tofuhack mit Zimt.

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