Nidhogg II sieht scheiße aus, aber das ist auch gut so

Die Fortsetzung von Messhofs Schwert-Duellen bricht mit den Erwartungen der Fans und dient als Erinnerung daran, wie schnell sich Geschmäcker festfahren.

Das Schwertkampfduell Nidhogg ist, so abgenutzt das Wort auch sein mag, ein Kultspiel. Seine minimalistische Eleganz sowohl hinsichtlich Grafik als auch Gamedesign hat die leicht zugängliche und doch komplexe Variante des Prügelspiels schnell zu einem beliebten Geheimtipp für lokalen Multiplayer-Spaß auf der heimischen Couch werden lassen. Wer einmal einer enthusiastischen Partie des ständigen Hin und Her beiwohnen konnte, kennt die Dramatik, die Messhofs Titel inszenieren kann.

Umso größer war die Begeisterung als eine Fortsetzung angekündigt wurde. Und dann kam der erste Trailer. Und das Spiel war... hässlich. Das war nicht nur meine erste Reaktion, sondern die des gefühlt ganzen Internets. Denn statt einfarbiger Strichfiguren kämpfen im zweiten Teil plumpe Männchen gegeneinander, die aussehen wie ganzkörperrasierte Homer Simpsons. Eleganz ade.

Jetzt ist das Spiel raus und natürlich ist es wieder ein grandioser Spaß, von rechts nach links oder umgekehrt um die Vorherrschaft in der Arena zu kämpfen. Das ist keine große Erkenntnis. Die größere Offenbarung ist die Tatsache, dass die ach-so-hässliche Grafik gar nicht stört. Oder ist sie vielleicht gar nicht hässlich?

Nein, "hässlich" ist wahrlich nicht das richtige Wort für die detailverliebte Pixelart von Nidhogg II, die Grafiker Toby Dixon gezaubert hat. Nach ein paar Runden will ich gar nicht mehr woanders als vor den wunderbar animierten Hintergründen sein. Und schon bei der Auswahl meiner Spielfigur habe ich mich in die albernen Duellant_innen verknallt.

Vielleicht haben die starken, ablehnenden Reaktionen auf Nidhogg II gar nichts mit ästhetischem Empfinden zu tun, sondern eher mit der Erwartungshaltung eines Publikums, das sich mit Veränderung schwer tut. Da nehme ich mich selbst nicht aus. Der düstere Humor des ersten Teils ist mit dem neuen Stil etwas Leichtherzigerem gewichen. Das ist weder schlechter, noch besser, sondern vor allem erst einmal anders. Und sollten wir nicht genau das von Fortsetzungen erwarten, statt mehr von dem zu liefern, das wir schon kennen?