In Far: Lone Sails ist die Einsamkeit euer treuester Begleiter

Die Konzepte, die der stilvolle Sidescrolling-Roadtrip auffährt, sind nicht neu. Im Zusammenspiel entfalten sie allerdings ihre ganze melancholische Pracht.

Wie bin ich nur in dieses Schlamassel geraten? Mein Energieverwerter brennt munter vor sich hin, mein Segel hat eine technische Störung und lässt sich nicht mehr ausfahren, die Energiereserven gehen zur Neige und sobald ich mit meiner eingebauten Wasserspritze ein Feuer lösche, breiten sich zwei weitere in meinem Segelschiff-Dampfmaschinen-Hybrid aus. Klingt bekannt? Dann habt ihr sicher schon mal FTL gespielt - genau wie die Entwickler von Far: Lone Sails, das auf Steam als "vehicle adventure" angepriesen wird, dabei aber doch so viel mehr ist.

Denn eigentlich ist das Spiel, in dem ich einen stummen, rotgewandeten Reisenden - Journey anyone? - in Sidescrolling-Manier vorbei an postapokalyptischen Siedlungen, merkwürdigen mechanischen Kontraptionen und durch ausgetrocknete Meere in Richtung ungewisses Ziel bugsiere, eine Lektion in Einsamkeit.

Der Einstieg ist dabei durchaus knifflig. Ich muss erst mal lernen, wie ich die verschiedenen Stationen in meinem rumpeligen Gefährt bediene und was genau zu tun ist, um voran zu kommen. Bald wird der Kreislauf – brennbares Material sammeln, dieses im Konverter in Energie umwandeln und mittels dosierbarer Geschwindigkeitsregelung immer weiter gen Horizont rollen – aber fast schon zu einem Zen-Erlebnis, einem Automatismus, der Raum schafft, mich stärker meiner Umgebung zu widmen.

Erst dann wird das Gefühl der Einsamkeit wirklich spürbar. Durch den Fokus auf die grau-schwarz-weiße Farbpalette zum Beispiel, die unglaublich gute Darstellung von scale dank großzügiger Zoom-Funktionen oder den kaum erklärbaren Vorwärtsdrang, der mich trotz quasi nicht vorhandenem Ziel immer weiter nach selbigem suchen lässt.

Oder aber dadurch, dass ich mich auf Autopilot leichter auf den großartigen Soundtrack einlassen kann, der wirklich seinesgleichen sucht und trotz seiner Bild-Ton-Schere direkt unter die Haut geht. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein so variables Instrumentarium für so unterschiedliche Szenarien zu hören bekommen habe. Überhaupt: Wann haben sich jazzige Bläsersektionen zuletzt so gut in ein Spiel über die Suche nach Hoffnung in einer kaputten Welt eingefügt?

Ja, Far: Lone Sails hat ordentlich bei den oben genannten Kollegen geklaut, ob bewusst oder unbewusst. Das macht aber nichts, wenn das Ergebnis größer als die Summe seiner Teile ist.